06.05.2010
Schutzdünen- und Deichschau

(Peter Kuchenbuch-Hanken) Wangerooges Bürgermeister Holger Kohls war auf der Pressekonferenz der Frühjahrsbereisung sichtlich erfreut. Hatten die Mitglieder der ehemals als Schutzdünen- und Deichschau bezeichneten Institution doch frohe Botschaft mit auf die Insel gebracht. Sowohl die planerischen Arbeiten für das Deckwerk im Nord/Westen der Insel, als auch die Vorbereitungen für den Dorfgroden- und Ost-grodendeich auf Wangerooge gehen mächtig voran. Diese frohe Kunde verkündeten Björn Gäbe vom Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelms-haven, als auch Frank Thorenz vom vom Niedersächsischen Landes-betrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Betriebsstelle Norden-Norddeich (NLWKN) am Donnerstag auf der Pressekonferenz im Cafe Neudeich auf Wangerooge.
Bei den Sturmflut vom 1.11.2006 und vom 9.11.2007 wurden verlässliche Daten ermittelt, die als Grundlagen für neue Berechnungen dienten, ob die Höhen für Deiche und Schutzdünen auf Wangerooge insgesamt noch ausreichend sind.
Diese Daten benutzte die Uni Rostock zur Berechnung einer Seegangsmodellierung des gesamten Nordufers von Wangerooge, vom Nord-westen der Insel bis Neudeich und der Deiche im Süden der Insel.
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist dann in den Generalplan Küstenschutz Inseln eingeflossen, der dem Niedersächsische Umwelt- Ministerium unlängst übergeben wurde, und als Grundlage für weitere Küstenschutzmaßnahmen auf Wangerooge und den anderen Inseln dienen wird. Frank Thorenz vom NLWKN geht davon aus, dass das Ministerium in nächster Zeit diesen Bericht der Öffentlichkeit vorstellen wird. Da der Meeresspiegel pro Jahrhundert ca. 25 cm steigt, was Untersuchungen der letzten 300 Jahre bestätigt haben, hatte Umweltminister Sanders auch den Inseln eine Deicherhöhung um zusätz-liche 50cm versprochen.
Nach Aussagen vom NLWKN und WSA besteht aber zurzeit noch kein Grund zur Sorge.
Welche Maßnahmen nach Bekanntgabe des General-plans Küstenschutz Inseln im Frühjahr 2010 dabei in welcher Reihenfolge angegangen werden, wird anhand einer Prioritätenliste im Niedersächsischen Um-weltministerium entschieden. Thorenz vom NLWKN ließ jedoch durchblicken, dass Wangerooge mit ganz oben auf der Prioritätenliste steht.
„Im Hafen von Harlesiel wird bereits die erste Kleie für die Insel zwischengelagert. Da der Platz dort nicht ausreichen wird, wurde auch in Neuharlingersiel ein Depot angelegt. Insgesamt werden 100.000 Kubikmeter Kleie für die Deiche auf Wangerooge benötigt. Diese Kleie stammt z.B. aus der aktuellen Baumaßnahme bei der Ortsumgehung von Carolienensiel. Noch in diesem Jahr soll die erste Kleie auf die Insel verbracht und dort erneut zwischen-gelagert werden. „Dies stellt uns Planer allerdings noch vor eine echte logistische Herausforderung, müssen hier doch Bedürfnisse von Küsten- und Naturschutz exakt aufeinander abge-stimmt werden“, so Thorenz gegenüber unserer Zeitung.
Inselbürgermeister Holger Kohls geht allerdings nicht davon aus, dass die Wangerooger Bürger vor 2015 mit eine Erhöhung des Ostgroden- oder Dorfdeiches rechnen können.
„Die zu erhöhenden Deiche umfassen eine Länge von ca. 3km, von der Straße am Wattenmeer den gesamten Süddeich bis zum Knick bei Neudeich. Der Bau wird daher auch 3 Jahre dauern“, so Thorenz weiter.
Für die Baumaßnahme am Deckwerk im Nordwesten der Insel, ungefähr vom Haus Vogelsbergkreis bis zur Saline, muss die Uni Rostock zusätzlich zur Seegangs-modellierung auch noch den Wellenauflauf berechnen, erst dann können NLWKN und WSA gemeinsam mit der detaillierten Planung beginnen. Der angestrebte Baubeginn soll aber dennoch möglichst schon 2011 sein. Die Kosten lassen sich noch nicht beziffern. „Es wird sich jedoch sicher um mehrere Millionen Euro handeln, dies haben vergleichbare Baumaß-nahmen an anderer Stelle gezeigt“, so Björn Gäbe vom WSA. Wie das Deckwerk zukünftig aussehen wird, dazu konnte Gäbe gestern auch noch nichts sagen. „Der uns zur Verfügung stehende Raum ist sehr klein, wir müssen erst einmal die Wellenberechnungen abwar-ten, um dazu nähere Auskünfte erteilen zu können“, so Gäbe weiter.
Die Aufspülmaßnahme im Osten der Insel östlich des Dorfes bis Neudeich, wo der Strand um ca. 1,5m angehoben wurde, um die Insel sturmsicherer zu machen konnte mit ca. 630.000 Kubikmetern, 60.000 mehr als ursprünglich geplant, im Januar erfolgreich abgeschlossen werden. „Wenn die Strurmfluten uns keinen Strich durch die Rechnung machen, soll diese Küstenschutzmaßnahme 10 Jahre halten“, “, so Björn Gäbe Sachbereichsleiter beim WSA Wilhelmshaven.
Die Kosten für das Projekt, das aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung finanziert wurde, beliefen sich auf 4 Millionen Euro.
Dass sich Aufspülmaß-nahmen für den Inselschutz rechnen können zeigten unlängst die Schutzmaß-nahmen bei Harlehörn im Westen der Insel. Die dortige Schutzdüne ist ein Verschleißbauwerk, die deshalb auch nicht bepflanzt werden soll. Sie wird lediglich mit Heu abgedeckt und soll in der Form zumindest 2-3 Jahre den Westen der Insel Schutz geben. Vor dieser Düne sollen in diesem Jahr Sandfangmaßnahmen durchgeführt werden, so Frank Thorenz vom NLWKN.