30.06.2008
Müll im Internet und nur "Schnitzel"-Gastronomie?

Dieser Spatz auf der "Pudding" Terasse scheint mit dem insularen "Küchenangebot" ganz zufrieden zu sein.
(von Heino Plagenz)
In dem Reiseführer "Insel Wangerooge – handbuch für individuelles entdecken", wurde ich unter der Überschrift „Wangerooge im Internet – Müll im Internet“ auf Folgendes hingewiesen:
„Bei weiterem Stöbern im Netz gerät man leicht aufs Glatteis, so unter www.insel-wangerooge.de, wo man weitergeführt wird auf „die legale Droge Wangerooge“ und „die Insel mit den irreparablen Erholungswerten“. Unter Umständen landet man sogar bei den Direktflügen England-Wangerooge, wo sämtliche britischen Flughäfen mit Linien nach der Insel getreulich aufgelistet sind. Das Perfide: Witzbolde haben sich hier (in Anlehnung an Englandflüge, die ja in der Tat 1945 stattfanden) klammheimlich in seriöse Portale geklinkt. Auch eine 2006 durch die Medien geisternde Nachricht über eine neu etablierte Linie Wangerooge-Mallorca erwies sich als Aprilscherz. Man sehe sich das Ganze mit gesundem kritischem Verstand an und glaube am Besten gar nichts.“
Nicht, dass es mich stört, dass unsere Seite unter „Internet-Müll“ aufgelistet wird, man hat mich und unsere Seite schon professioneller und unanständiger betitelt. Hätte sich der Autor Roland Hanewald aber doch wenigstens an seine eigenen Worte gehalten und mit „gesundem, kritischem Verstand“ recherchiert, ihm wäre aufgefallen, dass man unter „insel-wangerooge.de“ nicht weitergeführt wird. Zumindest nicht auf „die legale Droge Wangerooge“ und nicht auf „die Insel mit den irreparablen Erholungswerten“. DAS sind lediglich ÜBERSCHRIFTEN auf unserer Internetseite, die mit "weitergeführt" nun so gar nichts zu tun haben, man begibt sich selbst nach dem "googeln" direkt dort hin, und geht nicht erst über "Los".
Schließlich wird man unter "wangerooge.de" auch nicht auf "Wangerooge - Erholung ist eine Insel" weitergeführt. Man mag es dem 1942 geborenen Autor aber nachsehen, dass er mit dem Internetvokabular und dem “googeln“ scheinbar nicht so recht vertraut ist, was aber eine Überschrift, ein "Titel" oder, von mir aus auch neudeutsch, ein "corporate identity" ist, sollte er als Autor von mehr als 60 Büchern dann doch wissen. Auch wenn ihm die unsere anscheinend nicht gefällt.
In den weiteren Ausführungen Hanewalds, die in dem Reiseführer leider ohne trennenden Absatz gedruckt sind, und die mit unserer Homepage so gar nichts zu tun haben, könnte aber unter Umständen der Eindruck entstehen, auf unserer Seite würde man bei den „Direktflügen England - Wangerooge“ „landen“ und uns mit den „Witzbolden, die sich klammheimlich in seriöse Portale klinken“, in Verbindung bringen. Deshalb von mir hier der vorsorgliche Hinweis, diese „Witzbolde“ sind wir nicht, wir kennen sie auch nicht und wir kennen auch die angesprochenen Internetseiten nicht. Ich vermute allerdings, auch dieser Hinweis, hervorgehoben mit dem Attribut „Perfide“, dient lediglich dem Zweck den Anschein einer umfangreichen grundlegenden Recherche zu erwecken.
Wobei ich aber auch nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich im Gegensatz zu dem offenbar ein wenig humorlosen Herrn Hanewald einen guten Aprilscherz, auch den mit den „Direktflügen“ Malle-W‘ooge, immer zu schätzen weiß.
Auf welches "Glatteis" unsere Internetseite denn führt würde ich mir vom Autor gerne einmal erklären lassen. Vielleicht findet sich da aber auch ein anderer "Erklärbär", denn von Herrn Hanewald erwarte ich da nicht so viel.
Die Überschrift: "Legale Droge Wangerooge" ist abgeleitet von einem Spruch, der in den sechziger Jahren bei den Kids ziemlich angesagt war. Der berühmte Ausspruch "Hast Du Haschisch in den Taschen, hast Du immer was zu naschen" (der im übrigen nicht von der Insel stammt, sondern vermutlich das erste Mal in Berlin ausgesprochen wurde -diese Erklärung ist speziell nur für Herr Hanewald-), wurde hier gern ergänzt mit dem Anhang "aber die letzte (wahlweise auch "die beste") Droge ist Wangerooge" und gehört für mich somit genauso zum historischen Inselbild, wie die todbringenden Bomber 1945. Aber DAS wird Herr Hanewald vermutlich nicht wissen, denn da war die Insel, über die er sich heute so "cool" und honorarfixiert auslässt, für ihn wahrscheinlich nur ein unbedeutender Sandhaufen.
Aber nicht nur in Sachen Internet haben die Sinne des Autors offenbar etwas geschwächelt, auch sein Geruchsinn scheint nicht optimal entwickelt zu sein. So schreibt er unter der Rubrik „Essen und Trinken“: „Dem Autor fiel auf, dass jede gastronomisch duftende Stätte auf Wangerooge Schnitzel anbietet.“
Der Wangerooger Gastronomie wird hier schändlich Unrecht getan, denn diese Tatsachenbehauptung stimmt ganz einfach nicht.
Aber wahrscheinlich wollte der Autor damit auch nur umschreiben, dass auf der Insel lediglich einfaches, gutbürgerliches Essen angeboten wird (Annahme des Verfassers), woran es an sich gar nichts auszusetzen gäbe, wenn es denn stimmte. Es ist allerdings tatsächlich so, dass nicht, wie behauptet, "alle gastronomisch duftenden Stätten" Schnitzel anbieten. Viele Inselküchen sind wesentlich kulinarischer ausgerichtet und soweit von der einfachen, gutbürgerlichen Küche mit Schnitzel, Schweinebraten, Klößen und Gulasch entfernt, wie der Autor mit seinem Werk von einem gut recherchierten Reiseführer über unsere Insel.
Und weiter heißt es bei Hanewald: "Eine "typische Wangerooger Küche" existiert nicht ....."!!!
Da sind Länder und landesweite Regionen froh, wenn ihnen eine "typische Küche" zugesprochen wird, da erwartet der offenbar kulinarisch etwas verwirrte oder verirrte Autor von einer kleinen ca. 5 qkm großen Insel mit ca. 1100 Einwohnern und touristisch beeinflusster Gastronomie allen Ernstes eine "inseltypische" Küche? Ginge es nicht auch etwas kleiner, Herr Hanewald? Vielleicht mit norddeutscher oder friesischer Küche? Die nämlich ist auf der Insel wohl zu finden. Man muss sie aber natürlich auch finden wollen. Positiv zu vermerken ist, dass der Autor uns wenigstens sein subjektives Geschmacks-Urteil erspart. "Die Geschmäcker unterscheiden sich halt zu sehr", wie er selbstkritisch anmerkt.
"Laut eigener Aussage sind die Alteingesessenen ein knatschiger und untereinander verkrachter Haufen, dem Futterneid nicht fremd ist und der sich ganz schön in die Wolle kriegen kann", so Hanewald im Abschnitt "Land und Leute - Bevölkerung" (es würde mich wirklich interessieren, welchen "Knaddelkopp" er da interviewt hat). Jedenfalls ist nach Hanewald dieser "Haufen" dann doch noch so klug, dass er zu seinem "zentralen Stützpfeiler der Inselökonomie", nämlich dem "Badegast" immer noch ganz lieb ist, während "die demokratisch gewählten Vertreter der insularen Politik" ein Lied davon singen können, "wie man sich auf der Insel fetzt".
Klingt für mich irgendwie wie das Leben in jeder x-beliebigen Kommune dieser Republik. Weder besonders inseltypisch, noch besonders norddeutsch. Aber irgendetwas über die Insulaner muss ja her. Auch nach 55 Jahren Inselleben ist mir dieser verkrachte und offenbar schleimfreundliche "Haufen" noch nicht untergekommen. Ob da nicht etwa "großstädtische" Lebensart dem Hanewald die Sicht getrübt hat?
Ich meine, wer ins Impressum seines Reiseführers schreibt: Alle Informationen sind vom Autor mit größter Sorgfalt gesammelt und vom Lektorat des Verlages gewissenhaft bearbeitet und überprüft worden“, und trotzdem derart ungenau recherchiert, der sollte sich auch an seinen eigenen Worten orientieren und messen lassen.
Was schrieb ein "weiser" Mann in seinem Reiseführer? „Man sehe sich das Ganze mit gesundem kritischem Verstand an und glaube am Besten gar nichts.“
Mein Fazit:
Zumindest in zwei Abschnitten schlampig recherchiert.
Nicht empfehlenswert. Setzten. Sechs.