Die Info


21.05.2008
Inselbegehung



 

(Peter Kuchenbuch) Die 15 Sturmfluten des vergangenen Winters haben ihre Spuren auf der Insel hinterlassen, zu dieser Erkenntnis kamen gestern die Vertreter der offiziellen „Inselbereisung“ auf  Wangerooge. Im Großen und Ganzen zeigten sich Volker Schlüter vom Wasser und Schifffahrtsamt Wilhelms-haven (WSA) und Frank Thorenz vom Nieder-sächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Betriebsstelle Norden-Norddeich (NLWKN) aber zuversichtlich, dass die Sturmschäden in den nächsten Monaten behoben werden können. Durch die Herbst- und Winterstürme des letzten Jahres waren die Dünen auf Wangerooge im Westen zwischen Harlehörn und Hafen, sowie im Osten der Insel zwischen Bootsweg und Café Neudeich arg in Mitleidenschaft gezogen worden (das Jeversche Wochenblatt berichtet ausführlich).  Besonders die Sturmflut vom 09.11.2007 mit einem Wasserstand von 2,63 m, die in etwa der Sturmflut von 1976 vergleichbar war, richtete an den Schutzeinrichtungen der Insel gravierende Schäden an.
„Allein dieser Sturm machte 2/3 der gerade erst von uns geleisteten Sandauffahrmaß-nahmen wieder zunichte“, so Schlüter vom WSA.

Der eigens für solche Sturmfluten errichtete Steindamm  mit 1,9 m über NN zwischen Harlehörn und Hafen sollte verhindern, dass die Wellen „ungebremst“ die Schutzdüne erreichen kann, hat hier auch schon erste Erfolge gezeigt. „Wir konnten nicht verhindern, dass bei Sturm ein Teil der Schutzdüne erneut abge-tragen wird. Durch den errichteten Steindamm, der zudem wie ein kleiner Wellenbrecher wirken sollte, konnte dieser Sandabtrag aber aufgefangen und somit der Strand vor den Dünen im Niveau erhöht werden.“ So Frank Thorenz vom NLWKN.
Trotzdem kam es in diesem Bereich zu Dünenabbrüchen von bis zu 15m in der Tiefe, sodass sogar im Winter noch nachgebessert werden musste. Auch im Bereich Bootsweg musste das WSA noch im Winter nachbessern.

Die Arbeiten an den Dünen im Osten der Insel sollen bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Alleine hier beliefen sich die Kosten für das WSA im Jahr 2007 auf  ca. 1.Mio Euro. In diesem Jahr lassen sich die Kosten, da mit „Eigenmitteln“ gearbeitet wird, zurzeit noch nicht abschätzen.
„Wir gehen allerdings davon aus, dass es durch die Herbst- und Winterstürmen erneut zu Sandabbrüchen an den gerade erst reparierten Schutzdünen kommen wird,“ so Volker Schlüter vom WSA.
Bürgermeister Holger Kohls kritisierte die Aussage von Schlüter, in dem er auf die fehlende Nachhaltigkeit bei diesen Küstenschutz-maßnahmen hinwies. Schlüter gab zu, dass es sich dabei in der Tat nur um „Reparaturarbeiten“ an den bestehenden Schutzein-richtungen handelt.

Zu größeren Maßnahmen, wie z.B. denen einer Vorspülung gibt es nach Ansicht von Thorenz und Schlüter zurzeit noch keinen Anlass. Vorspülungen an den Stränden wie auf Sylt, in den Niederlanden oder wie in Dänemark seien an den Ostefriesischen Inseln problematisch, da es hier keinen geschlossenen Küstenstreifen gäbe, zudem wäre dies sehr kostenintensiv und der Erfolg einer solchen Maßnahme strittig.
Eine Sandvorspülung, die auch das Strandniveau in diesem Bereich erhöhen würde,  kostet in etwa 10 Mio. Euro.
Vorspülungen werden nach Informationen des WSA  zudem auch erst dann vorgenommen, wenn ein Unterspülen der Deckwerke oder Dünen droht und das ist hier noch nicht der Fall.
„Bei den Sturmflut vom 1.11.  2006 und vom 9.11.2007 hat man verlässliche Daten ermitteln können, die als Grundlage für neue Berechnungen dienen sollen, ob die Deichhöhen auf Wangerooge ausreichend sind,“ so Frank Thorenz vom NLWKN.
Diese fließen dann in den Generalplan Küstenschutz ein, der Ende 2009 fertiggestellt werden soll. Da der Meeresspiegel pro Jahrhundert ca. 25 cm steigt, was Untersuchungen der letzten 300 Jahre bestätigt haben, hatte Umweltminister Sanders vor kurzem unlängst auch den Inseln eine Deicherhöhung versprochen. Wann dies auf Wangerooge allerdings der Fall sein wird, dazu ließ sich Thorenz zu keiner Aussage hinreißen. Bürgermeister Holger Kohls geht jedoch davon aus, dass dies nicht vor 2015 der Fall sein wird, vorausgesetzt, dass Wangerooge in der Prioritätenliste weit oben stehen wird.
Nach Aussage von Thorenz besteht aber kein Grund zur Sorge. Die Deiche auf Wangerooge sind in einem sehr guten Pflegezustand. Und selbst wenn sie mal überspült werden sollten, bestünde kein Grund zur Sorge, auch dafür seien sie konstruiert worden.

 




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