(hp ) Dicke Luft Befürchten die Bürgermeister der Ostfriesischen Inseln. Denn rund um die "Sieben zum Verlieben" wollen die Stromversorger, zum Ausgleich für den Atomausstieg, mit sieben neuen Kohlemeilern sehr viel Dreck in die gute Nordseeluft stauben.
Obwohl die Weltgesundheitsorganisation 10 Mikrogramm Feinstaubbelastung pro Kubikmeter Luft für eben noch tolerabel hält, erlaubt die Bundesregierung 40 Mikrogramm. Viele Küstenorte und Inseln laufen deshalb Gefahr ihren Status als Luftkurort zu verlieren. Vom Tourismus und den Kurangeboten entlang der Deutschen Küste und den Inseln sind bei immerhin fast 9 000 000 (neun Millionen) Gästeübernachtungen auch 26.400 Arbeitsplätze davon betroffen.
Die Frage ist, was werden wir noch alles hinnehmen müssen? Man raubt uns durch immer tiefere Ausbaggerung der Fahrrinnen den Strand, den wir teuer immer wieder auffahren müssen. Man will über 12.000 Windkraftanlagen in Sichtweite der Inseln errichten. Man will, anstatt umweltfreundlicher Gaskraftwerke lieber billigere Kohlekraftwerke rund um ein Tourismusgebiet bauen, das gerade bei der Unesco das Prädikat "Weltnaturerbe" beantragt hat. Man erhöht die Luftverschmutzung durch enorme Zunahme des Schiffsverkehrs vor den Inseln, wobei auch die auf Reede und im Hafen liegenden Schiffe hochgiftiges Schweröl verbrennen. Eine EU Prognose schätzt, dass die Schwefeldioxinemmissionen der Schiffahrt die des gesamten Landverkehrs im Jahre 2010 eingeholt haben wird.
Wer ist man? Letztendlich börsennotierte Konzerne, die ihren Aktionärenerwartungen mit hohen Renditen ensprechen müssen. Eine der "unerwarteten" Auswirkungen der Privatisierungswelle? Da fallen ein paar tourismusabhängige Arbeitsplätze wohl so schwer nicht ins Gewicht. Schließlich gibt es (fast) deutsche Urlaubsinseln auch im benachbarten Ausland.
So oder so ähnlich sieht man es offenbar auch im niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Dort hört Jutta Kremer-Heye, Sprecherin des Ministeriums, wohl die Bedenken, will aber die Kohlekraft nicht verteufeln, die sei notwendig, um die schwankende Einspeisung der Windkraftanlagen auf See auszugleichen.
Die gute Nachricht wie immer zum Schluss: Auf Rügen haben die Bewohner ein Kohlekraftwerk verhindert. Und Rügen ist immerhin der Wahlkreis von Agela Merkel. Nicht nur deshalb werden die Insulaner alles daran setzten die sieben Dreckschleudern zu verhindern.
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