20.10.2007
Deichschau

(Peter Kuchenbuch) „Die Dünen und Deiche auf Wangerooge sind für den Winter gerüstet“, zu dieser Erkenntnis kamen gestern die Vertreter der offiziellen „Inselbereisung“ auf der Insel. Zwar sind noch hier und dort Restarbeitung zu erledigen, im Großen und Ganzen zeigten sich Volker Schlüter vom Wasser und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven (WSA) und Frank Thorenz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Betriebsstelle Norden-Norddeich (NLWKN) mit den geleisteten Arbeiten sehr zufrieden. Durch die Herbst- und Winterstürme des letzten Jahres waren die Dünen auf Wangerooge im Westen zwischen Harlehörn und Hafen, sowie im Osten der Insel zwischen Bootsweg und Café Neudeich arg in Mitleidenschaft gezogen worden (das Jeversche Wochenblatt berichtet ausführlich). Insgesamt musste in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Euro (1,5 Mio. WSA und 0,5 Mio. NLWKN) an Reparatur- und Schutzmaßnahmen auf Wangerooge investiert werden, damit die Insel für die bevorstehenden Herbst- und Winterstürme gerüstet ist. Im Bereich Harlehörn hat alleine nur das NLWKN 40.000 Kubikmeter Sand einbauen lassen. Die Sandentnahmen fanden dabei im nahe gelegenen Hafen statt, womit dann sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden konnten, denn damit wurde auch die ständig durch Versandung gefährdete Hafeneinfahrt frei geräumt.
Ferner wurde ein Steindamm errichtet der 1,9 m über NN (8000 t nur im Bereich Harlehörn NLWKN) verhindern soll, dass die Wellen „ungebremst“ die Schutzdüne erreichen können. „Wir werden nicht verhindern können, dass bei Sturm ein Teil der Schutzdüne erneut abgetragen wird. Durch den errichteten Steindamm, der zudem wie ein kleiner Wellenbrecher wirken soll, hoffen wir diesen Sandabtrag auffangen und somit den Strand vor den Dünen im Niveau erhöhen zu können.“ So Frank Thorenz vom NLWKN.
Auf den Kubikmeter wiegen diese Steine Kupferschlacke im Steindamm 4t, zum Vergleich Beton wiegt nur ca. 2,6t auf den Kubikmeter. Dieses hohe Gewicht veranlasst die zuständigen Wasserbauer zu der Annahme, dass sie den bevorstehenden Stürmen trotzen werden. Die Steine im Damm werden nicht vergossen, da durch das Vergießen der Effekt des Wellenbrechens gemindert werden würde. Lediglich der Übergang zum Deckwerk musste vergossen werden.
„Der Steindamm ist fast fertig“, sagte Volker Schlüter vom WSA, sodass mit weiteren Arbeiten z.B. an der H-Buhne begonnen werden kann. Die Arbeiten dauern dort noch ca. 1 Woche. Aber auch am Hauptstrand müssen danach noch Reparaturarbeiten an einigen Buhnen vorgenommen werden. Ferner soll die rückwärtige Düne vor der DJH am Westturm noch mit Sand verstärkt werden um eine gleichmäßige Stärke der Schutzdüne auf ganzer Strecke zu erreichen.
Die Arbeiten an den Dünen im Osten der Insel sind auch fast abgeschlossen. Alleine hier beliefen sich die Kosten für das WSA auf ca. 1.Mio Euro.
„Wir gehen allerdings davon aus, dass es durch die Herbst- und Winterstürmen erneut zu Sandabbrüchen an den gerade erst reparierten Schutzdünen kommen wird,“ so Volker Schlüter vom WSA.
Eine Sandvorspülung, die auch das Strandniveau in diesem Bereich erhöhen würde, kostet in etwa 10 Mio. Euro.
Vorspülungen werden nach Informationen des WSA zudem auch erst dann vorgenommen, wenn ein Unterspülen der Deckwerke oder Dünen droht und das ist hier noch nicht der Fall.
„Bei der Sturmflut vom 1. November des vergangenen Jahres hat man verlässliche Daten ermitteln können, die als Grundlage für neue Berechnungen dienen sollen, ob die Deichhöhen auf Wangerooge ausreichend sind,“ so Frank Thorenz vom NLWKN. Mit den Ergebnissen wird in ca. 2 Jahren gerechnet.
Für die Gemeinde Wangerooge, vertreten durch Wangerooges Bürgermeister Holger Kohls, war die Schutzdünenschau zudem die ideale Gelegenheit mit allen Beteiligten das Problem der Oberflächenentwässerung im Westen der Insel (Westinnengroden) zu erörtern und nach Lösungen zu suchen. Durch die starken Regenfälle der vergangenen Winter hatten die Anwohner dort mit erheblichen Problemen zu kämpfen.