15.01.2006
Neujahrsempfang - Fortsetzung

Kritische Worte findet der Redner auch zur Schiffsanbindung der Insel zum Festland, sowie zur Inselbahn. Zwar lobte der Verwaltungschef die Investitionen, die die Bahn im Schiffs- und Inselbahnbereich getätigt hat, besonders bei der Sanierung des Inselbahnhofs, merkte allerdings auch an, dass die Dienstleistung die teuerste ist im Vergleich zu den anderen ostfriesischen Inseln. Außerdem müsse der Fahrweg für die Schiffe verbreitert werden, um auch mehr Tagesgäste für die Insel zu gewinnen. Leider kein Wort zu der schon mal rigiden Wort- und Tonwahl der Mitarbeiter des Dienstleisters bei der „Eintreibung“ der „digitalisierten“ Kurtaxe, deren derzeitiges handling mit höchst anzunehmender Wahrscheinlichkeit wohl ebenfalls mit zur stetigen Minimierung der Gästezahlen beitragen könnte.
Lobend erwähnt wurde die Investition des Deutschen Jugendherbergswerkes von rund 3,6 Mio Euro in den Erweiterungsbau am Westturm. Damit habe der Verband die Anzahl der Herbergsgäste verdoppelt.
Zu den guten Nachrichten gehörte auch der Hinweis, dass trotz der miserablen Finanzlage der Verwaltung die Kanalsanierungen fortgeführt werden konnten und die Klärschlammvererdungsanlage im Juli 2005 in Betrieb genommen werden konnte. Trotzdem konnte die Abwassergebühr, sowie die Straßenreinigungsgebühr konstant gehalten werden. Kleiner Wehrmutstropfen, im Bereich der Kanalsanierung zeichnet sich ab, dass auf Grund dringenden Handlungsbedarfs die Prioritäten wohl neu festgelegt werden müssen.
Im Rahmen der im Jahr 2007 auslaufenden Dorferneuerung steht die Umgestaltung der Zedeliusstrasse zur Debatte. Die Hinweisbeschilderung im Ort wird nach fast jahrzehntelanger Entscheidungsfindung ein weiteres Thema sein und hoffentlich bald ein glückliches Ende finden.
Die letzte Rate der Fremdfinanzierung für die WangeroogeCard konnte 2005 getilgt werden. Allerdings muss mit weiteren Investitionen gerechnet werden. So sollen Zahlautomaten aufgestellt werden, an denen die Gäste unabhängig von den Öffnungszeiten der Servicecenter den Kurbeitrag entrichten können. Allerdings wird den zahlungswilligen Inselbewohnern außerhalb der Öffnungszeiten dieser Servicecenter gleichwohl am Fahrkartenschalter auch weiterhin die Standardfahrkarte für die Schiffspassage verweigert werden, wenn diese nicht im Besitz einer registrierten Plastikkarte sind. Ein Zustand, der mit der Beförderungspflicht des Monopolisten Bahn eigentlich unvereinbar ist.
Der „Alte Leuchtturm“ wird in diesem Jahr 150 Jahre alt, der Bahnhof 100. Beide Ereignisse sollen gebührend gefeiert werden. Den Leuchtturm besuchten im vergangenen Jahr 47.318 Besucher und bei den Trauungen steht in diesem Jahr die 3.333 ste an. 133 Voranmeldungen Ehewilliger liegen dem Standesbeamten bereits vor. Die durchschnittlich angereiste Personenzahl pro Eheschließung betrug 7 Personen bei einer Verweildauer von 6 Tagen.
Das Nationalpark Haus „Rosenhaus“ besuchten rund 36.000 Gäste. Damit blieb die Besucherzahl zum Vorjahr konstant. Mit 1.125 Veranstaltungen, die von rund 21.600 Gäste besucht wurden, bot das „Rosenhaus“ eine beeindrucken Anzahl Aktivitäten im vergangenen Jahr.
Mit 19.502 Flugbewegungen wird die Flughafen GmbH im Vergleich zum Vorjahr auch im Jahr 2005 ein ausgeglichenes positives Betriebsergebnis ausweisen.
Aber auch die negative Seite der Lage sollte nicht verschwiegen werden, so die Absichtserklärung des Bürgermeisters.
Die Haushalts- und Finanzsituation der Gemeinde ist alles andere als gut. So schiebt sie aus dem Haushaltsjahr 2005 ein Defizit in Höhe von 2,6 Mio. Euro vor sich her. Dabei ist auf eine Bedarfszuweisung, wie in der Vergangenheit, kaum zu hoffen. Im Gegenteil, die Insel wird im Gegensatz zum Vorjahr rund 6.200 Euro mehr an Kreisumlage aufbringen müssen. Schuld daran sei die hohe Steuerkraftmesszahl für den Finanzausgleich, bei der die Insel im Vergleich mit allen niedersächsischen Kommunen den 26. Platz einnimmt, so der Bürgermeister. Damit wird das Haushaltsdefizit der Insel trotz aller Bemühungen auch weiterhin ansteigen.
Das von der Kurverwaltung geführte Mutter-Kind-Kurheim „Villa Kunterbunt“ hat sich zum Sorgenkind entwickelt. So wurde mit 500.000 Euro Verlust auch im Jahr 2005 wieder einmal ein noch schlechteres Abschlussergebnis ausgewiesen als im Vorjahr. Während andere Mutter-Kind-Einrichtungen auf der Insel wegen der schlechten Auslastung bereits geschlossen wurden, hängt die Kurverwaltung an ihrem langfristigen Vertrag mit dem Eigentümer der Anlage vorerst fest. Seit langem andauernde (Fusions-) Verhandlungen mit anderen Kurbetreibern können als gescheitert angesehen werden. Es steht an andere Maßnahmen zu treffen. Welche das sein sollen führte der Bürgermeister allerdings nicht aus.
Die Sandauffahrmaßnahmen am Hauptstrand schlugen im vergangenen Jahr mit insgesamt 220.000 Euro zu Buche. Das sind rund 30.000 Euro mehr als im Vorjahr.
Eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuern wird vorerst nicht erörtert. Auch eine Erhöhung des Fremdenverkehrsbeitrags steht erst einmal nicht zur Debatte, wobei allerdings unerwähnt blieb, dass dieser Beitrag zwar in der Gesamthöhe vorerst konstant bleibt, in der Beitragshöhe der einzelnen Kategorien allerdings gleichwohl variabel ist und somit für die ohnehin mit unverhältnismäßig hohen Abgaben am stärksten belastete Sparte Inselgastronomie sehr wohl existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann, wenn weitere Schließungen gastronomischer Betriebe (Westturm Cafe, Mittelpunkt, voraussichtlich Tenniscafe) anstehen sollten. Leider halten sich hier auch Standesvertretungen wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband weitgehend bedeckt und lassen ihre Mitglieder trotz sinkender Umsätze lieber zahlen, als dass sie weiterhin aktiv intervenieren.
Die Gäste- und Übernachtungszahlen konnten abschließend noch nicht ausgewertet werden. Die amtlichen Statistiken liegen erst bis Ende September 2005 vor und die eigenen Auswertungen sind noch nicht abgeschlossen, so der Bürgermeister, es zeichne sich jedoch die Tendenz ab, dass das Gästevolumen (Übernachtungsgäste) erstmals und die Übernachtungszahlen weiterhin gesunken sind.
Zum Abschluss noch die obligatorische neutrale Nachricht. Der Bürgermeister gab am Schluss seiner Rede bekannt, dass er sich dem Inselvolk im September zur Wiederwahl stellen wird, diesmal für 8 Jahre. Ob das nun also zu den guten oder zu den schlechten Nachrichten gehört, darf jeder Inselbewohner für sich selbst entscheiden und mit seinem Gang zur Wahlurne und einer hoffentlich hohen Wahlbeteiligung somit nachhaltig dokumentieren.
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