26.04.2005
Friesenrecht

Foto von l.n.r. Büroleiter Martin Krause, Beisitzer Gerd Gerdes, Kassenwartin Frau Annette Jungmann, 1. Vorsitzender Josef Mende, 3. Vorsitzender Hanke Rippen. 2. Vorsitzender Dr. Michael Strahlmann, Beisitzer Roman Schmitt.
(hp) "Dreimal ist Friesenrecht", unter dieser Überschrift könnte die Schwachstellenanalyse des (Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Tourismusförderung (diwf) stehen, die auf der Versammlung des Verkehrsvereins den Mitgliedern vorgestellt wurde. Wohl an die 20 Jahre ist es her, da präsentierte Prof. Dr. Hartmut Luft, Dozent an der Fachhochschule Wilhelmshaven, Fachbereich Wirtschaft, Schwerpunkt Tourismuswirtschaft in einem hervorragenden Vortrag den Vorständen von verschiedenen Inselverbänden und interessierten Insulanern die Idee einer Tourismus GmbH unter Beteiligung aller Leistungsträger der Insel, vergebens. Schon die Vorarbeiten zur Umsetzung scheiterten seinerzeit an der offensichtlichen Interessenlosigkeit der Insel-Leistungsträger. Zehn Jahre später griff eine Arbeitsgruppe der Inselgruppe des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes die Idee neu auf und versuchte eine Tourismus GmbH unter Beteiligung aller interessierten Insulaner ins Leben zu rufen. An der Sorge einzelner Verantwortlicher Einfluss und Macht an die Insulaner als Entscheidungsträger abgeben zu müssen scheiterte auch diese Initiative. Mit einer 35.000 Euro teuren Studie zur Aufdeckung der touristischen Schwachstellen der Insel kam das Kompetenzteam des diwf und 20 Workshopteilnehmer aller am Tourismus auf der Insel beteiligten Institutionen nun zu dem Ergebnis, die Lösung für die touristischen Probleme der Insel wäre, wen wundert’s, eine Tourismus GmbH aller Leistungsträger der Insel (Verkehrsverein, Kurverwaltung, DEHOGA, Einzelhandelsverband) sowie, und das ist neu, eine Reihe der am Insel-Tourismus partizipierenden Privatunternehmen vom Festland (Parkplatzvermieter, Luftverkehr Friesland und die Deutsche Bahn).
Dringenden Handlungsbedarf sieht Dr. Strahlmann, 2. Vorsitzender des Verkehrsverein und malt für das Jahr 2008 eine düstere Prognose von Rückgängen von ca. 70.000 Übernachtungen jährlich an den zur Zeit blauen Himmel der Insel. Schuld am Rückgang der Übernachtungszahlen sieht der zweite Vorsitzende überwiegend am fehlenden Angebot (z.B. Golfplatz und Kinderspielhaus). Aber auch die Öffnungszeiten des Schwimmbades und die Fährzeiten der Deutschen Bahn standen in der Kritik der Mitglieder des Vereins, zudem sei das Ortsbild nicht einladend, die obere Strandpromenade sei zu sehr mit Sand verschmutzt. Hier soll allerdings bald Abhilfe geschaffen werden, versprach Wilhelm Janßen, stellvertretender Kurdirektor der Insel.
Kommentar:
(hp) Und wieder einmal zeigen sich die Vertreter der Vermieter uneins. Wollen die einen die Vermittlung der Unterkünfte nach Gründung einer Tourismus GmbH in professionelle Hände geben, halten die anderen an den althergebrachten Verhältnissen mit der Begründung fest, es bestehe Gefahr Kleinvermieter würden benachteiligt. Als würde nicht jede Vermittlungsart irgendeine Gefahr der Benachteiligung bergen. Ob diese nun Filz, Bestechung oder Großkundenbevorzugung heißt und ob sie greift, ist letztlich eine Sache der Kontrolle. Und genau darauf sollten die Anteilseigner einer Tourismus GmbH, auf die ausschließlich auf Gewinn orientierte Privatunternehmen im übrigen keinen Entscheidungseinfluss haben sollten (stilles Kapital willkommen), ihre Tätigkeit konzentrieren und sich nicht in Fachbereichen verzetteln, die nach Professionalität verlangen. Schließlich würde sich auch niemand von einer Hausfrau vor Gericht vertreten lassen, nur weil diese keine Sendung mit Richterin Barbara Salesch versäumt hat.
Eine Auflösung des Verkehrsvereins, wie von einigen ins Feld geführt, ist nicht zu befürchten, wenn es endlich gelänge eine Trennung zwischen wirtschaftlichem Engagement und Mitgliederbelangen herbeizuführen. So könnte sich der Verein wichtigen Aufgaben wie z.B. der Förderung und berufsorientierten Weiterbildung durch Seminarangebote, Vereinsleben und der mitgliedsbezogenen Interessenvertretung widmen, die ohne Zweifel durch Mitgliedsbeiträge, Eigenbeteiligung und dem Erlös aus den Anteilen der GmbH finanziert werden könnten. Unter professioneller Leitung und leistungsträgerischer Aufsicht würde eine GmbH sicher in kurzer Zeit Überschuss erwirtschaften können. Es sei denn, man würde sich die Betriebsübernahme des Schwimmbads oder des "Mutter-Kind-Kurheims" von der Kurverwaltung aufschwatzen lassen und eine Einflussnahme politischer Interessen auf unternehmerische Entscheidungen nicht zu verhindern wissen.
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