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     Das Tagesbild

01.04.2004
Leuchtturm-Debakel


(hp) In einer kurzfristig geplanten Nacht-und-Nebel-Aktion bereitete die Gemeindever-
waltung der Insel den Insulanern und den Gästen eine böse Überraschung. Mit einem in nichtöffentlicher Sitzung gefassten Ratsbeschluss vom Donnerstag vergangener Woche wurde der Bürgermeister beauftragt die Mitarbeiter aller Malerbetriebe auf der Insel zu einer Arbeitsmaßnahme heranzuziehen, um das Wahrzeichen der Insel quasi über Nacht grün anzustreichen und mit dem Emblem des SV-Werders zu versehen. Die Grundlage für diesen Arbeitseinsatz sollte sich aus der Verpflichtung für Hand- und Spanndienste ergeben, die eine Gemeinde ihren Bürgern auferlegen kann. Grund für diese Maßnahme soll nach Aussage eines Gemeindemitarbeiters lediglich das gute Abschneiden des Fußballvereins Werder Bremen in der Bundesliga gewesen sein, dem die Ratsmitglieder der Insel auf diese Weise Respekt und Anerkennung zollen wollten. Der SV-Werder führt die Bundesligatabelle zur Zeit wohl mit neun Punkten vor Bayern München an.

"Ich hatte mich schon gewundert, dass der Leuchtturm gestern Nacht nicht wie üblich mit Scheinwerfern angestrahlt wurde und stattdessen kleine Lichter wie Irrlichter um ihn herum tanzten", so der Hotelier Curt H. "Jetzt weiß ich, dass es nur die mit Taschenlampen ausgerüsteten Maler gewesen sein können, die wohl an Seilen gesichert den Turm in der Nacht gestrichen haben müssen." Kalli B., selbst zwar ausgewiesener Werder-Fan, konnte seinen Unmut trotzdem kaum zügeln, "Die sind doch nicht ganz dicht," so sein lautstarker Kommentar, "wer soll das denn wieder wegmachen, das kann doch wohl so nicht bleiben und was das auch wieder kostet!?"

DEHOGA, Einzelhandelsverband und Verkehrsverein äußerten sich ebenfalls kritisch über die Maßnahme, sehen allerdings einen gewissen touristischen Werbeeffekt darin. Dennoch gaben die Vorsitzenden zu bedenken, dass man nicht alle Souvenirartikel so kurzfristig umgestallten könne. Eine Zeitlang müsse da wohl zweigleisig gefahren werden, rot und grün.

Lediglich ein Bayern-München-Fan, der hier allerdings aus Sorge um sein Leben vorerst ungenannt bleiben will, erwägt eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Oldenburg. Begründen will er diese damit, dass es wohl kaum im öffentlichen Interesse gewesen sein kann ein jahrhundert altes Baudenkmal derart zu verunstalten.
Bürgermeister und Rat sehen der Klage allerdings gelassen entgegen. Ihr Argument, je länger darüber verhandelt wird, desto länger bleibt die Insel auch im Gespräch und um so besser werden die touristischen Auswirkungen für die Insel sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass Werder auch Deutscher Meister wird, sonst wird sich der Aufwand kaum gelohnt haben. In ihrem letzten Spiel zeigten sich die Werder-Akteure über die größtenteils negativen Berichte in den Medien bereits so geschockt, dass sie gleich in den ersten Minuten ein Tor kassierten und das Spiel nur mit Mühe und einem "Unentschieden" hinter sich brachten. Sollte so der Wangerooger Ratsbeschluss maßgeblich dazu beitragen, daß Bayern München doch noch Deutscher Fußballmeister wird, wird die öffentliche Ordnung auf der Insel kaum noch aufrecht zu erhalten sein.

Für alle die sich nicht ganz sicher sind: April, April.
Nach einer Idee von Thore Folkerts.
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