03/04/03
Leistungsfähig
(hp) Ist die Wangerooger Gastronomie wirklich so leistungsschwach wie
es sich scheinbar aus der DEHOGA Gästebefragung 2002 ergibt? Ich
meine Nein. Auch wenn schon mal gerne auf das schlechtere Abschneiden
der Wangerooger Gastronomie hingewiesen wird, so ist das Preisleistungs-verhältnis
der Gaststätten auf der Insel um vieles besser als ihr scheinbarer
Ruf.
Die Anforderungen an den Wirt, die Wirtin sind immens hoch und mit dem
guten alten Spruch, "das bisschen Bierzapfen kann ich auch"
hat die moderne Gastronomie schon lange nichts mehr zu tun. Zwischen
dem täglichen Ausfüllen schier endloser Protokolle und Formulare
und kreativer Arbeit betätigt sich auch der/die Insel-Gastwirt/in
zwischendurch als Klo- und Putzfrau/mann und wenn es sein muss oft genug
als Notdienstwerker. Mag sein, dass da zwischendurch einmal ein Leistungsabfall
nicht zu vermeiden ist.
Für mich ist unverständlich, dass es gerade unter den Nebenerwerbs-Wangeroogern
noch einige gibt, die glauben, dass Preis- und Leistung in der Inselgastronomie
mit Festlandsniveau laufen müssten. Preise wie in der Eckkneipe
in Neukölln, Leistung wie im "Schiki" in Tiergarten und
Portionen wie früher bei "Aschinger" wären denen
wohl am liebsten.
Das allgemeine gastronomische Leistungsniveau auf der Insel ist hoch,
das kann jeder feststellen, der auch mal ins heimatliche Restaurant
geht. Ich habe in Hamburg und Berlin schon wesentlich schlechter gegessen
als hier auf der Insel und nicht oft genug besser, als dass ich in Jubelgeschrei
ausbrechen könnte, dafür aber meistens teurer. Es sei denn,
mein Hunger verlangte nach einem 99 Cent Hamburger, den gibt es auf
der Insel wohl nicht, und wenn es ihn gäbe, hätte er mehr
Charakter als die meisten Festlandspappen, das könnte ich schwören.
Anders als Betten können Lebensmittel verderben oder überlagern
und müssen entsorgt werden. Allein die Schwundliste der frischen
Lebensmittel ist in den Inselgaststätten wesentlich länger
als in Vergleichsbetrieben auf dem Festland, gerade an heißen
Sommertagen.
Die Gastwirte auf der Insel bilden zudem eine der drei kleinsten Unternehmergruppen
mit touristischem Primärumsatz, erwirtschaften trotzdem den größten
Fremdenverkehrsgewinn im Vergleich zu den sieben anderen Primär-Ausgabekategorien
auf der Insel. Deshalb zahlen sie auch den höchsten Prozent-Anteil
am Fremdenverkehrsbeitrag, auch das muss schließlich irgendwie
aufgebracht werden, denn die Gemeinde hält sich mit ihrer Forderung
nicht an Umsätze, sondern orientiert sich an vorhandenen Stühlen,
egal wie die Saison gerade ausfällt.
Die Wangerooger Gastronomie ist schon in Ordnung und wer unbedingt etwas
anderes behaupten will, der ist eh nicht davon abzubringen oder meckert
eben einfach um des Meckerns Willen. Vielleicht auch nur um den einen
gegen den anderen aufzubringen. Irgendein Feinbild braucht eben jeder,
damit er sich selbst gut herausstellen kann.
Letztendlich
bleibt es mir aber, am Festland und auf der Insel, immer noch unbenommen
meine eigene Wahl zu treffen und Gaststätten, die mir nicht zusagen,
einfach zu meiden.
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