Offener
Brief von Friedrich-Wilhelm Petrus, Im Westen, 26486 Wangerooge
an Frau Dr. Irmgard Remmers, Nationalparkverwaltung "Niedersächsisches
Wattenmeer", 26380 Wilhelmshaven.
Sehr geehrte
Frau Remmers,
Als
Watt- und Inselführer auf Wangerooge, fällt es mir
zunehmend schwerer, die Aufgaben, Vorteile und den Sinn des
Nationalparks "Niedersächsisches Wattenmeer"
dem Touristen und den vielen Schulklassen glaubhaft zu erklären
oder gar zu preisen.
Meine berechtigten Zweifel, meine Enttäuschung und meinen
Zorn über das Wirken der Nationalparkverwaltung möchte
ich am Beispiel Westinnengroden, Wangerooge West "Rote
Zone" des Nationalparks, erläutern.
Laut der Zeitschrift "GEO" befindet sich im Westinnengroden
nahe der Innenberme des Westdeiches das größte
zusammenhängende Knabenkrautfeld Norddeutschlands. Das
in der Zeitschrift abgebildete Photo bekommt nun Seltenheitswert,
denn dieses Knabenkrautfeld gibt es nicht mehr!
Der bürokratisch verordnete Naturschutz Ihrer Verwaltung
zeichnet dafür verantwortlich. Drei Jahre hintereinander
ein sog. Mulchschnitt und eine völlig verfehlte Beweidung
mit Rindern, das Schaffen einer künstlichen Seenplatte
mit einem bis zu 20 cm. Hohen Wasserstand, verursacht durch
Absperren der Quergräben mittels Sandsäcken, haben
dieses Gebiet zerstört.
Sie wollen ein Feuchtgebiet schaffen für Limicolen, jedoch
schon jeder Grundschüler weiß, dass das Wasser
auf dem Land länger steht und so jedes Leben vernichtet
wird, also völlig wertlos für Limicolen, dafür
jedoch eine riesige Badewanne für Stockenten.
Diese aufgeführten Punkte haben nun zum Verschwinden
des Knabenkrauts geführt.
Sie werden wohl anführen, das Knabenkraut wüchse
auf Feuchtgebieten, aber die Pflanzen haben geblüht,
als man den Westinnengroden künstlich unter Wasser gelegt
hatte. Sie wuchsen und vermehrten sich auch, als Pferde und
Schafe dort weideten und eine Erosion war auch nicht vorhanden,
denn auf der Berme am inneren Deichfuß, direkt an der
Abzäunung, blüht das Knabenkraut noch vereinzelt.
Durch den sog. Mulchschnitt der letzten drei Jahre hat Ihre
Verwaltung aus dem schönen Naturschutzgebiet Westinnengroden
Rasenflächen geschaffen, die gut gemähten Fußballfeldern
gleichen, aber die gelben Felder des Klappertopfs und die
Sumpfdotterblumen sind verschwunden.
Die dort brütenden Kiebitze, Austernfischer, Uferschnepfe,
Lerchen und Wiesenpieper erbrüten dort zwar ihre Eier,
es schlüpfen auch Küken. Die Ornithologen zählen
diese begeistert, doch die Jungvögel dienen nur der Verschönerung
der Statistiken des Mellumrats. Geräubert und gefressen
werden sie letztendlich von den vielen Rabenkrähen und
Elstern, die sich rund um den Westinnengroden, der sog. Roten
Zone, angesiedelt haben, denn auf diesen sterilen Rasenflächen
können sie leicht an ihre Beute kommen.
Auf Anweisung ihres Hauses werden auch die Vorfluter und der
Deichgraben durch das NLWK mittels Bagger beiderseitig abgeschabbt
und begradigt. Die Folge ist, dass es keine Deckung mehr für
die brütende und führende Löffelente und die
ebenso dort ansässige Krickente und das Teichhuhn gibt
und die Küken ebenfalls von Krähen und Elstern geräubert
wurden.
Wangerooger Naturschützer, der Lehrer Erich Maß,
Hans-Jürgen Jürgens und der Oldenburger Hans-Rudolf
Henneberg, um nur einige zu nennen, haben den Westinnengroden
gehegt und gepflegt und stets ein "waches Auge"
darauf geworfen. Die Nationalparkverwaltung hat dieses Gebiet
zu einer Rinderweide verkommen lassen.
Auf meine telefonische Beschwerde sagte mir Ihr für Wangerooge
zuständiger Mitarbeiter:" Herr Petrus, dann haben
wir wohl einen Fehler gemacht."
Wenn Ihre Verwaltung alle verursachten Fehler und Schäden
so lapidar kommentiert, ist es schlecht bestellt um den Naturschutz
auf Wangerooge und anderswo.
Mit freundlichem
Gruß
Friedrich-Wilhelm Petrus