Himmlische Pfadfinder auf Erden
100-Jahr-Feier der Schwestern Unserer Lieben Frau auf Wangerooge
Ich habe keine Schwestern, dafür drei Brüder. Aber
ich habe im Laufe meines Lebens viele Schwestern getroffen und sie
hier auf Wangerooge wiedergefunden, so begann Pfarrer Kurt Weigel
seine Festansprache vor rund 80 Gästen im Haus Meeresstern auf
Wangerooge. Dies ist ein offenes Haus und kein geschlossenes
Kloster, fuhr er fort. Diese Stimmung übertrug sich bei
der adventlichen Feier, die von den insgesamt sieben Schwestern liebevoll
vorbereitet wurde, von Beginn an. Die Schwestern Unserer Lieben Frau
sind eine Ordensgemeinschaft, die der Kirche in sechs Kontinenten
und dreizehn Ländern der Erde dienen. Mit ihrer geistlichen Mutter,
der heiligen Julie Billart, die sich in Belgien und Frankreich der
Erziehung armer Mädchen widmete, teilen die Schwestern ob mit
oder ohne Ordenstracht das Charisma, die Güte Gottes in der Welt
oder speziell auf Wangerooge zu verbreiten. Bürgermeister Holger
Kohls dankte als einer der Gastredner in seinem Grußwort den
Schwestern für ihre aufopfernde Arbeit und versprach als Spende
der Gemeinde-und Kurverwalzung einen Baum, den er gemeinsam mit den
Schwestern Pflanzen möchte. Höhepunkt der Feier war sicherlich
der Versuch einer Zusammenfassung einhundert Jahre in einer
halben Stunde, so der Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens,
der einige Episoden der wechselhaften Geschichte in kurzweiliger Form
vortrug. Vier Wochen studierte er die über 1000seitigen Annalen
und fand unter anderem heraus, dass im Sommer 1901 ein Erholungsheim
für katholische Kinder in der Schulstraße gegründet
wurde. Am 20. November 1908 wurde schließlich der Grundstein
gelegt, der heute rechts neben dem Haupteingang des Meeressterns
noch zu sehen ist. Ab 1909 wurde bereits Handarbeitsunterricht für
Insulanerkinder von den ersten beiden Schwestern angeboten. 1914 wurden
gar Ordensschwestern auf dem Weg zu ihrem Mutterhaus in Vechta verhaftet,
weil die feindlichen Spione sich mit Vorliebe in Ordenstracht
kleiden, wie es damals hieß. 1928 trat Schwester Hildegund
als Strandpirat auf, indem sie nicht nur Bretter nach einer Sturmflut
einssammelte, sondern auch einen erschossenen Delfin von einhundert
Pfund auf ihren Wagen wuchtete, um ihn schließlich zum Futter
für die hauseigenen Hühner zu verurteilen. Nach Jürgens
Worten dienen die Sieben unter ihrer Schwester Oberin Christa freiwillig
in frischer Fröhlichkeit. Sie arbeiten unverdrossen den ganzen
Tag nur für andere und da sie jeden Tag mindestens eine
gute Tat vollbringen, indem sie unter anderem Gästegruppen aus
ganz Deutscchland betreuen, Wäsche für die Mutter-Kind-Einrichtung
waschen oder Kindergottesdiensste gestalten, nannte Jürgens sie
himmlische Pfadfinder auf Erden. Nähere Informationen zu
den Schwestern Unserer Lieben Frau unter www.snd1.org.