Nachgefragt:
Wird der Golfplatz auf Wangerooge nun doch endlich
konkret?
Heino Plagenz im Gespräch mit Holger Kohls, Bürgermeister
der Insel Wangerooge
| Küstenserver: |
Herr Kohls, seit Jahren wird über die Errichtung
eines Golfplatzes auf Wangerooge diskutiert. Die SPD führt
jetzt eine Bürgerbefragung durch, ob im Osten der Insel ein
Golfplatz errichtet werden sollte. Sie bezieht sich dabei auf
die Novellierung und Verabschiedung des Nationalparkgesetzes und
die damit verbundene Option auf einen Golfplatz. Heißt das,
dass der Golfplatz jetzt konkret wird? |
| Bürgermeister: |
Sicherlich nicht, was wir erreicht haben mit der
Novellierung des Nationalparkgesetzes ist, dass im Ostinnengrodenbereich
eine Fläche von rund 30 ha aus der Zonierung des Nationalparks
insoweit herausgenommen wurde, dass kleine Teile der Ruhezone
und große Teile der Zwischenzone nunmehr zur Erholungszone
geregelt wurden. Interessant war es, im letzten Erörterungstermin
in Hanover zu erfahren, dass der gasamte Westinengroden -bis auf
kleine Teilflächen- vom Niedersächsischen Landesamt
für Ökologie nicht als FFH-Biothop gewertet wird, gleichwohl
aber das Land Niedersachsen die gesamten Flächen des Westinnengrodes
zur EU-FFH-Richtlinie gemeldet hatte. Nun wird diese Gebietsmeldung
nach Beschlußfassung durch den Nds.Landtag revidiert werden.
Das Regeln einer Erholungszone in diesen Bereichen hat zum Inhalt,
dass es für touristische Nutzung geöffnet wird. Wir
haben uns im Vorfeld in den ganzen Verhandlungen mit dem Umweltministerium
Gedanken gemacht, welche touristischen Nutzungen möglich
sind. Es gibt einmal ja den Reitsport, der ja eigentlich hier
auf der Insel auch im Argen liegt, wo gerade unsere Reitstallbetreiber
lange Wege zum Westen in Kauf nehmen müssen um ihre Pferde
auf die Weide zu bringen und sie dort auch noch das Problem haben,
dass sie in den zonierten Bereichen keine Unterstände für
ihre Pferde bauen dürfen. Eine Möglichkeit ist also,
das Gebiet für den Reitsport zu öffnen, eine andere
Möglichkeit ist aber auch die Errichtung eines Golfplatzes.
Gerade viele Urlaubsgäste und Zweitwohnungsbesitzer haben
danach gefragt. Das heißt also, ein Golfplatz könnte
auf diesem Areal auch errichtet werden. Nun mussten wir etwas
konkreter werden in den Verhandlungen mit dem Umweltministerium,
die dann von uns verlangt haben einmal eine Planskizze
vorzulegen, was denn dort entstehen könnte. Es handelt sich
hier erst einmal um das Landschaftskonzept dieser 30 ha. Fläche,
die im übrigen in diesem Umfang gar nicht für den reinen
Golfputt in Anspruch genommen wird. Knapp die Hälfte wird
quasi für Spielflächen benötigt, die andere Hälfte
bleibt sowieso liegen und muss noch gestaltet werden. Nun haben
wir ja eine recht ebene Fläche dort, das heißt, es
würden sicherlich zum Beispiel Büsche gepflanzt und
auch Tümpel angelegt werden und der Bereich landschaftlich
aufgewertet und sicherlich nicht abgewertet werden, wie viele
es immer wieder behaupten. Man könnte dort z.B. eine Driving
Range einrichten, sozusagen einen Abschlagplatz, man müsste
sicherlich einige kleine Gebäude als Unterstellmöglichkeiten
für Gerätschaften errichten. Die Notwendigkeit eines
Clubraums sehen wir aus kommunaler Sicht und in unserer Diskussion
im Rat bisher nicht. Im Rahmen dieser Driving Range werden sicherlich
ein paar Puttinggreens angelegt. Im übrigen würden dort
neun Spielfelder angelegt werden, die schön in die Landschaft
integriert werden würden, z.B. mit kleinen Tümpelchen,
etc. etc.
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| Küstenserver: |
Wie sehr wird sich die Gemeinde finanziell oder
als Betreiber einer Golfanlage einbringen? |
| Bürgermeister: |
Nach Möglichkeit gar nicht. Wir würden
den Betrieb einem Investor, zum Beispiel einem Golfclub überlassen,
allerdings auf ordentliche und landschaftsschonende Nutzung achten.
Es wäre auch vorstellbar, dass die Gemeinde das Gebiet pachtet
und wieder unterverpachtet, um so eine Einflußmöglichkeit
auf die planmäßige Nutzung der Fläche zu behalten.
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| Küstenserver: |
Sie haben das Reiten ja schon angesprochen. Die
SPD fragt in ihrem Fragebogen ja auch nach einem breitgefächerten
Freizeitangebot und spricht dabei das Ponyreiten an. Im Gästebuch
des Küstenserver wird häufig bedauert, dass es so wenig
Reitmöglichkeiten auf der Insel gibt. Auffällig ist
auch, dass es auf der Insel immer weniger Pferde gibt. Liegt das
daran, dass Pferdehaltung auf der Insel zu großen Auflagen
und Beschränkungen unterliegt oder hat das auch andere Gründe? |
| Bürgermeister: |
Das liegt in erste Linie daran, dass natürlich
die ganzen Weideflächen, die wir auf der Insel haben, nur
recht restriktiv bewirtschaftet werden dürfen. Das heißt,
es sind Flächen, die dem Land Niedersachsen gehören
und von der Domänenverwaltung verwaltet werden. Die Pachtverträge,
die geschlossen wurden, beinhalten Regelungen, dass pro ha wohl
nur ein Pferd gehalten werden darf, kein Dung aufgebracht werden
darf, nur einmal gemäht werden darf und, dass die Errichtung
eines Unterstandes, den man für Pferde ja benötigt,
nicht erlaubt wird. Das führt einfach dazu, dass die bisherigen
Betreiber des Ponyhofes und des Reitstalles nur in unmittelbarer
Nähe der Betriebe ihre Flächen haben, die natürlich
auch den restriktiven Regelungen der Bewirtschaftung unterliegen.
Im Osten haben wir angrenzend überhaupt keine Pferdeweiden.
Das heißt, alles was an Pferdeweiden da ist, ist nur im
Westgrodenbereich und da sind die Wege natürlich bis zu 4
km. Da kann kein Reitstall oder Ponyhof existieren, weil allein
der tägliche Transport zu den Weiden ein hoher Kostenfaktor
ist.
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| Küstenserver: |
Nach unseren Informationen macht der bisherige Ponyhofbetreiber
die Gemeinde dafür verantwortlich, dass er seinen Betrieb
einstellen musste, weil ihm angeblich Baugenehmigungen für
dringend notwendige Erweiterungen verweigert wurden. Was sagen
Sie dazu. |
| Bürgermeister: |
Es ist so, dass der ehemalige Ponyreitstall innerhalb
der Ortslage sicherlich nicht glücklich liegt, weil wir,
ausgenommen das Gebiet "König", eine umliegende
Bebauung haben. Konflikte mit den umliegenden Anwohnern sind also
einfach immer latend vorhanden. Konflikte bei Geruch und Pferdekot,
dort gibt es eine freie Dungplatte, also einen Misthaufen, von
dem geht Geruch aus, dort sind auch Fliegen, also, alle diese
Dinge, die mit Pferdehaltung in Zusammenhang stehen, führen
dort zu Konflikten. Und zu Konflikten führen eben auch die
nicht genehmigten offenen Boxen, die auf dem Grundstück stehen
und die eben wirklich schwarz gebaut worden und die bis heute
nicht genehmigt worden sind.
1995 und 1996 hat man einen Bebauungsplan Nr. 17 in Angriff genommen,
das ist im "Jade Hörn", da hat man dieses Paket
geschnürt mit, Mutter und Kind Heim mit den "Sozialwohnungen"
"Jade Hörn" und mit den Reihenhäusern "Jade
Hörn". Man hat diesen Bebauungsplan verabschiedet, der
damit rechtverbindlich ist. Es gibt aber außerdem zwischen
dem Ponyhofbetreiber und dem Eigentümer des Reihenhausgebietes
private Absprachen und Regelungen für den Ponyhofbetrieb.
Wir waren gezwungen, weil es keinen rechtsverbindlichen Bebauungsplan
"Rösingstrasse - Ostseite" gibt, bezüglich
des ehemaligen Landhauses Heine, was wir in dieser Größenordnung
nicht verhindern konnten und was der Rat in dieser Größe
auch nicht wollte, einen Aufstellungsbeschluß für einen
Bebauungsplan zu fassen und haben eine Veränderungssperre
erlassen, die bis heute existent ist und wohl auch wieder verlängert
werden wird, weil der Bebauungsplan Nr. 18 noch im Verfahren ist.
Somit kann also nicht genehmigt werden, was künftigen Planungen
entgegen steht, und das ist der springende Punkt. Nun kam aber
der Antrag des Ponyhofes auf Zulassung einer Remise und Versetzen
der Dungplatte. Weil wir das im Rahmen der Bauleitplanung aber
erst einmal klären mussten, mussten wir diesen Bauantrag
zurückstellen und konnten ihn gar nicht genehmigen. Dann
kam plötzlich beim Ponyhofbetreiber der Umschwung, dass man
sagte, man wolle diesen Betrieb eigentlich gar nicht mehr in der
ursprünglichen Form betreiben, sondern man wolle einen Pensionshof
betreiben und ich vermute, dass dieser Entschluß wohl doch
schon länger feststand und man den Ponyhof in bisheriger
Form auch gar nicht länger hätte betreiben können.
Wir sind trotzdem mit den Eigentümern des Ponyhofes ganz
vernünftig im Gespräch, wir wollen den Bebauungsplan
weiterführen, wir wollen auch einen Pensionsreiterhof fördern,
weil wir auch sehen, dass auf eine Insel Reitsport gehört,
weil es etwas inseltypisches ist. Wir haben sicher noch unsere
Probleme mit der Nationalparkgestaltung bezüglich der vorhandenen
Reitwege. Wir haben aber zumindest erreicht, das eine Reitschleife
wieder geöffnet wurde, obwohl die seit Existenz des Nationalparks,
1986, nicht mehr geregelt war. Leider passiert eben auch nicht
alles immer so wie wir uns das wünschen. In kleinen Schritten
kommen wir aber dahin wo wir hinwollen, nämlich mehr Möglichkeiten
für den Reitsport zu schaffen.
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| Küstenserver: |
Vielen Dank Herr Kohls, für dieses Gespräch.
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