Jahreskurkarten nur noch für Insulaner, deren
Kinder und deren Eltern
-ren - Wangerooge. Auch wenn die Abfertigung an den Gates in Harlesiel
jetzt
recht reibungslos verläuft, ist die Kurverwaltung noch nicht
zufrieden mit der
Handhabung der WangeroogeCard. Denn inzwischen wurde mehrfach beobachtet,
dass Verwandte der Insulaner ihre freigeschaltete Jahreskarte weitergeben
an
Dritte, die damit den Kurbeiträgen und der Kartengebühr
entgehen können.
"Inzwischen liegen über eintausend Anträge auf Verwandtenbefreiung
vor",
berichtete Bürgermeister Holger Kohls auf der jüngsten
Finanzausschusssitzung. Er will diesem Kartenmissbrauch einen Riegel
vorschieben, indem er die Verwandtenbefreiung eingeschränken
möchte. Danach
sollen nur noch den Kindern und Eltern der Wangerooger Bürger
der Kurbeitrag
auf ein Jahr erlassen werden, sofern diese Verwandten auch in die
häusliche
Gemeinschaft aufgenommen werden. Die Lebenspartner der sogenannten
"auswärtigen" Insulaner, die mit ihrem Hauptwohnsitz
auf Wangerooge gemeldet
sind, erhalten auf Antrag Kurbeitragsbefreiung für jeweils ein
halbes Jahr.
Andere Verwandte erhalten die Befreiung nur noch für die Dauer
des
tatsächlichen Aufenthalts, den sie nach Vorlage ihres Ausweises
bei der
Service-Stelle in der Kurverwaltung bestätigt bekommen durch
Freischaltung
ihrer Karte. WangeroogeCards, die bereits jetzt im Umlauf sind, sollen
nach
dieser vom Finanzausschuss einstimmig beschlossenen Vorlage bis zum
Jahresende ausgenommen werden. Bärbel Herfel (CDU) möchte
so wie auf Langeoog
die Kurbeitragsbefreiung auch auf Besucher von älteren Leuten
ausweiten, die
selber keine Besuche mehr auf dem Festland machen können. Sie
will damit
einer Gettoisierung vorbeugen und schlägt vor, einen entsprechenden
Punkt in
die Tagesordnung der nächsten Ausschusssitzung aufzunehmen.
Küstenserver-Kommentar von Heino Plagenz
"Alles unter Kontrolle", so könnte
und sollte es eigentlich beim Gemeinderat und dem Bürgermeister
heißen. Die Maßnahmen der millionenteuren Wangerooge-Card
sollte den Wangeroogern endlich eine möglichst einhundertprozentige
Erhebung des Kurbeitrages bringen. Und nun das, unvorhersehbarer Kartenmißbrauch
und Befürchtung von Gettoisierung.
Man sollte Frau Herfel dafür danken, daß
Sie eine Gettoisierung, obwohl sie als verantwortliches Gemeinderatsmitglied
ihren Teil dazu beigetragen hat, nun doch schon befürchtet. Stimmen
aus der Bevölkerung und von Gästen sprechen schon seit langem
von "DDR-Verhältnissen" und einer machte bereits
öffentlich den Vorschlag doch in Harle ein Schild mit der Aufschrift:
"Achtung! Sie verlassen jetzt die Bundesrepublik Deutschland",
aufzustellen.
Wird es nach den restriktiven Maßnahmen, die der
Bürgermeister nun für die Einschränkungen für
Verwandtenbesuche vornehmen wird keine Schlupflöcher für
Kurtaxhinterzieher mehr geben? Keine Angst, es gibt sie trotzdem noch
und es wird sie auch weiterhin geben. Die vergeblichen Bemühungen
der Deutschen Demokratischen Republik sollten doch zur Genüge
gezeigt haben, daß es eine einhundertprozentige Absperrung nicht
gibt. Und vielleicht bemerkt von den Verantwortlichen auch noch irgendwann
einmal jemand einen Zusammenhang zwischen der Tatsache, daß
sich die Kurtaxeinnahmen zwar erhöht haben, die Gewerbesteuereinnahmen
aber offenbar sinken. Bleibt zu hoffen, daß wenigstens die Gäste
sich nicht durch Zäune, Zwangsabgaben und Kontrollmaßnahmen
abschrecken lassen und dem Wangerooger Gewerbe doch noch genügend
Einnahmen verschaffen, die es in die Lage versetzen wird trotzdem
noch ordentlich Steuern zu zahlen, sonst wird es schwierig werden
mit dem Bejubeln der Card.