Positiver Ausblick beim Neujahrsempfang
Wangerooger Bürgermeister Holger Kohls zieht kritisch Bilanz
Anlässlich des diesjährigen Neujahrsempfang auf der Insel
Wangerooge blickte Bürgermeister Holger Kohls am vergangenen
Sonntag auf ein "sehr arbeitsreiches Jahr" zurück.
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die WangeroogeCard,
die trotz der verspäteten Einführung im Dezember bereits
positive Tendenzen zeigt: "Rechtzeitig zum Saisonbeginn werden
wir alle Probleme im Griff haben und die Kassenanbindung beim SIW
bewältigt haben", versprach Kohls. Kritische Worte richtete
er dann an die Wangerooger und Zweitwohnungsbesitzer, die "hinreichend
Zeit hatten" (Kohls)sich die Card für sich selbst und
ihre Angehörigen zu beschaffen: "Viele taten das nicht
und trugen daher zu den längeren Wartezeiten in der Servicestelle
bei", schalt Kohls in ungewohnt scharfer Tonlage. Das Cardsystem
funktioniere, werde akzeptiert und die Kritik unter den Gästen
sei sehr gering, so der Wangerooger Bürgermeister weiter. "Auch
wenn der erwartete Erfolg bisher aussteht, dürfen wir sehr
zuversichtlich sein," macht Kohls allen Anwesenden Mut. Einige
positive Zahlen hatte er dann auch noch parat: In der Zeit vom 23.
Dezember bis 3, Januar konnten Kurbeitragseinnahmen verzeichnet
werden, die - trotz geringerer Gästezahlen im Vergleich zum
"historischen" Milleniumsjahreswechsel 1999/2000 - rund
60% über dem Vorjahresniveau lagen. "Eine sehr erfreuliche
Tendenz", konstatierte Kohls.
Auch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Alten Leuchtturm,
in der Grundschule, am Gebäude Schulstraße 2, sowie die
Kanalsanierung im Bereich der Zedeliusstraße und der östlichen
Friedrich-August-Straße kamen zur Sprache. "In Anbetracht
der erheblichen Staus an Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen
im Kanal-, Straßen- und auch Gebäudestand besteht kein
Grund sich zurückzulegen", zeigte sich Kohls vor dem anstehenden
Wahlkampf in Kämpferlaune. So sei die erhebliche Reduzierung
der Pro-Kopf-Verschuldung zwar erfreulich: "Doch ohne Fremdmittel
können diese Kosten nicht aufgebracht werden", so Kohls
weiter. Die in Millionenhöhe anstehenden Kanalsanierungen müssten
- falls öffentliche Förderungen ausblieben - voll in die
Gebührenkalkulation einfließen. "Damit könnte
langfristig auch die Abwassergebühr wieder ansteigen",
befürchtete Kohls. Der Grund für die drückende finanzielle
Situation liegt, laut Kohls, in den erheblich reduzierten Finanzausgleichleistungen:
"Erhielt die Gemeinde 1996 insgesamt rund 313.00 DM, so werden
es im Jahre 2001 nur noch rund 35.000 DM sein". Der letzte
Strohhalm ist die vor dem Staatsgerichthof angestrengte Klage gegen
die Neuregelung des - für Wangerooge nachteiligen - Finanzausgleichs.
"Das Urteil wird im Frühjahr 2001 erwartet", schloss
der Wangerooger Bürgermeister dieses Thema ab.
Auch die geplanten, umfangreichen Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen
im Freizeitbad "Oase" verteidigte Kohls vehement: "Nur
mit dem entsprechenden Raumangebot könne wir die Begriffe "Beauty"
und "Wellness" für unsere Gäste attraktiv umsetzen".
Große Sorge mache ihm, dass man die Erwartungen der Gäste
in den Bereichen Kinderspielhaus, Kurkindergarten, Jugendräume,
Kreativbereich, Animation und Minigolf mit den vorhandenen Flächen
und Räumen nicht gerecht werden könne: "Wangerooge
verfügt über gute Angebote, aber die Substanz der Baulichkeiten
ist schlecht, so dass dringender Handlungsbedarf besteht",
meinte Kohls weiter. Sonst laufe man Gefahr, dass die Gäste
- besonders Familien mit Kindern und Jugendlichen - abwandern und
letztlich ausblieben könnten.
Guten Anklang habe das neu installierte Wegweisersystem gefunden,
das vom Bereich der Oberen Strandpromenade im Rahmen der Dorferneuerung
in der Ortslage vervollständigt werden solle.
Zum Abschluss seines umfangreichen Jahresrückblicks zauberte
Kohls dann noch einige finanziell erfreuliche Zahlen aus dem sprichwörtlichen
Hut: Neben einer Spende über 50.000 DM durch einen Zweitbewohnungsbesitzer
und den positiven Zahlen der Mutterkindklinik "Villa Kunterbunt"
präsentierte Kohls die amtliche Statistik für den August
2000: "Die Beherbungsbetriebe konnten ein leichtes Plus an
Gästezahlen mit 0.7% und ein gutes Plus mit 10.2% an Übernachtungszahlen
verzeichnen."
Das größte, positive Signal kam jedoch kurz vor Weihnachten
von der Niedersächsischen Landesnahverkehrsgesellschaft: Mit
mehr als 1.7 Millionen Mark soll der Umbau des Bahnhofs gefördert
werden, in dem ein gemeinsames ServiceCenter für Bahn, Verkehrsverein
und Kurverwaltung entstehen soll. "Wir haben diese Investitionsmaßnahmen
kräftig angeschoben und hoffen, dass der Tourismusstandort
Wangerooge noch attraktiver und servicefreundlicher wird",
schloss Bürgermeister Holger Kohls.