Glosse
Märchenstunde
Ein Angler namens Jüttner, saß mit seiner Angel am Ufer.
In seinem Anglerverein war er gefürchtet, weil er das Vereinsleben
so sozialverträglich wie ein Haifisch gestaltete. Sein Vereinsvorsitzender,
alle nannten ihn nur den Erzengel, gab ihm immer neue Fischteiche
zum Leerfischen, damit die gier seines Rivalen etwas gestillt wurde.
Besagter Angler Jüttner hatte neben sich ein Eimerchen mit
sieben Würmern.
Die Würmer hießen Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum,
Juist, Norderney und Borkum. Im Wasser schwammen Dutzende von Aalen;
der eine nannte sich NABU, der andere WWF und so weiter. Sie waren
typische Aasfresser.
Die Würmchen im Eimer schnatterten ordentlich miteinander,
sie fanden die Verhältnisse im Eimer nicht so schlimm, einhellige
Meinung war: "Damit können wir leben". Ab und zu
griff sich der böse Angler ein Würmchen aus dem Eimer,
setzte es auf den Haken und bot ihm zwei Möglichkeiten an.
Entweder, er würde den Wurm unverzüglich den Aalen zu
Fressen vorwerfen, oder aber er würde ihn in den Eimer zu seinen
Spielkameraden zurücklegen, zuvor müsse er nur ein klitze
kleines Stück vom Wurm abschneiden. Die sieben Würmchen
bekakelten die Situation und deuteten das Angebot als Konsensgespräch.
Sie stimmten dem berühmten "Wurmkompromiß"
zu und so konnte der Angler unbemerkt nach und nach jegem Wurm etwa
70-80 Prozent abschneiden und den Aalen zu fraß vorwerfen.
Als es fast zu spät war, bemerkten die Würmchen, dass
ihnen mittlerweile eine Menge abhanden gekommen war. Sie wurden
richtig sauer und drohten mit Klage. Der Angler Jüttner bekam
mächtig Angst und zwischen zwei Lachanfällen bot er den
braven Würmchen Sonderkonditionen an, den Rabaukenwürmchen
Baltrum, Langeoog und Borkum schnitt er rasch noch ein paar Teilchen
mehr ab. Flugs wurden die einsichtiger. Daraufhin fand ein sehr
konstruktives Gespräch aller tapferen Würmchen im Eimer
statt. Die Leitung der Gespräche übernahm der Wurm Norderney.
Die anderen nannten ihn "Den Schmuddelwurm von Norderney",
aber das ist eine andere Geschichte. Er warnte eindringlich vor
einer Verärgerung des bösen Anglers. Einstimmig bat man
nun um neue Konsensgespräche beim Angler, wobei man aber ganz
energisch nicht von einer eventuellen Klage zurückwich.
So lebten sie denn glücklich und zufrieden, bis an das rasche
ende ihrer Tage.
Hendrik Tonners
Langeoog