WWF-Pressegespräch
"Die Insulaner haben die Natur nie geschützt, sie haben
sie immer nur genutzt." Dieses Statement beim WWF-Diskussionsabend
auf der Insel Wangerooge war nicht etwa die Position der Naturschutzverbände,
sondern die des Insulaners Hans-Jürgen Jürgens, der sich
seit Jahrzehnten um den Erhalt von Natur und Landschaft auf der
Insel bemüht und sich dafür "als seltsamer Naturapostel"
abgestempelt sieht. Da Entscheidungen auf der Insel immer von Interessen
Einzelner oder bestimmter Gruppen bestimmt würden, "müssen
wir froh sein, wenn von aussen jemand kommt, und uns die Fessel
des Naturschutzes anlegt."
Anlass für den Diskussionsabend war die Novellierung des Gesetzes
zum "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" am
6. September im Landtag in Hannover. Im Vorfeld dieser Novellierung
haben die sieben Ostfriesischen Insel in vielen Gesprächen
mit Vertretern der Landesregierung und der Nationalparkverwaltung
zu erreichen versucht, dass Nutzungseinschränkungen durch das
Gesetz aufgehoben und Flächen auf den Inseln aus den Schutzzonen
ausgegliedert werden. Für den Fall, dass diese Wünsche
nicht berücksichtigt werden, haben die Inseln vorsorglich eine
Klage gegen das Gesetz beim Staatsgerichtshof in Bückeburg
erhoben.
Die Naturschutzverbände hingegen fordern den Bestand der jetzt
geltenden Schutzbestimmungen und in einigen Fällen eine Ausweitung
durch weitere Einschränkungen der Jagd, der Fischerei und des
Flugverkehrs.
Positionen also, die mit "Schützern und Nützern"
der Natur gut beschrieben sind. So meint die Vertreterin des Verkehrsvereins,
Gudrun DeBuhr, die Insel lebe vom Tourismus, die Gäste der
Insel suchten und konsumierten die Natur, aber sie forderten auch
Animation, sportliche Unterhaltung und bequeme An- und Abreisemöglichkeiten.
Deswegen sei es wichtig, dass die Gemeinde die Optionen erhalte,
Flächen etwa für eine Erweiterung des Flughafens oder
einen Golfplatz nutzen zu können. Die Vertreterin des Wangerooger
Yachtclubs, Hille Janssen, forderte, dass Segler an der Ostspitze
trockenfallen und vom Boot auf die Insel gehen dürfen.
Dem widersprach Mathias Heckrodt vom Mellumrat. Die Ostplate sei
ein wichtiges Brutgebiet für Zwergseeschwalben und Regenpfeifer,
das verloren ginge, würde es durch Segler und ihre Feten gestört.
In dieserFrage immerhin kam es zu einem Kompromiss: Segler und Mellumrat
könnten damit leben, wenn für die Brutzeit von Mai bis
September ein Betretungsverbot in die Seekarten eingetragen würde
und in der übrigen Zeit auch für Segler "dieses Naturerlebnis
möglich werde."
Dies allerdings ist nur ein Kompromiss zwischen Mellumrat und Hille
Janssen persönlich; für den Yachtclub konnte sie in diesem
Punkt nicht sprechen
von Walter Dressel