Bürgerversammlung
"Sie gucken die Insel nicht mit Liebe an, sondern nur, wie
man Geld
daraus schlagen kann, ganz besonders im Gemeinderat." Starken
Beifall
fand eine Besucherin der Insel für diese Äusserung auf
der
Bürgerversammlung , in der Rat und Verwaltung die Bürger
über die
Planung eines Gewerbegebietes am Westrand des Inseldorfes informierten.
Brachte sie doch auf den Punkt, was viele mit anderen Worten sagten:
dass sie "ihre Insel", die sie seit vielen Jahren besuchen
und zu deren
Schönheit und Ruhe "ich seit dreissig Jahren eine enge
Beziehung habe"
,nicht wiedererkennen und deren Ausverkauf fürchten. Ganz ohne
"Suggestivfragen" brachten sie so zum Ausdruck, dass sie
auf Wangerooge
Natur und Ruhe und nicht immer weiter ausgenutzte Flächen suchen.
Diese Reaktionen auf das Referat von Lutz Winter vom Planungsbüro
Thalen-Consult zeigte die emotionale Betroffenheit über die
Pläne, ein
Stück Heideland am Dorfrand mit Hallen zu bebauen und in Lagerplätze
für
Massengüter zu verwandeln.
Auch in den Diskussionsbeiträgen, die Sachprobleme aufgriffen,
fand die
Planung der Gemeinde keine Zustimmung. Dr. Wilko deBuhr wies als
Sprecher des Arbeitskreises die Behauptung zurück, der Arbeitskreis
habe
je der Planung zugestimmt, Rainer Janssen stellte den Bedarf für
ein
Gewerbegebiet grundsätzlich in Frage, Hans-Jürgen Jürgens
wies darauf
hin, wie schlecht Wangerooge "im Vergleich zu den Nachbarinseln
mit
natürlicher Umwelt ausgestattet ist". Auch deswegen seien
alle Bürger
gegen das Gewerbegebiet, weil es die Konkurrenzsituation zu den
Nachbarinseln verschlechtere. Deshalb "treffen Sie mit Ihren
Plänen den
Nerv der Insulaner". Wie wenig man dem Inselrat sorgsamen Umgang
mit der
Natur zutraut, zeigte ein Hinweis von Martin Wilmering: "Wenn
der Rat so
rücksichtslos mit den Flächen umgeht, über die er
die Planungshoheit
hat, wird er in der Bevölkerung keinen Rückhalt finden,
Flächen aus dem
Nationalpark herauszunehmen." Vielmehr werde man hoffen, dass
der
Nationalpark die Insel vor den Planern der Gemeinde schütze.
All das musste Bürgermeister Holger Kohls alleine abwettern,
da ausser
ihm nur noch ein Mitglied des Rates, Detlef Schulz, - als Zuhörer
- an
der Versammlung teilnahm. Es war ein schwerer Abend , als dessen
Resultat Kohls zusagte, "dem Rat die Argumentation und die
Stimmung des
Abends zu übermitteln." Dafür wurde ihm von Helene
Wilhelmi ein
Heidestrauss überreicht, "geschnitten auf dem Gelände,
wo Herr Gebhards
seine Hallen bauen will". Auch das also war weniger eine versöhnliche
Geste, als die Mahnung, diese Flächen zu erhalten, und nicht
den
Interessen Einzelner zu opfern.
Sachstand:
Die Pläne, die die Firma Thalen-Consult für die Aufstellung
des Bebauungsplanes 20 "Gewerbegebiet an der Müllpresstation"
vorgelegt hat, sind vom Rat der Gemeinde als Entwurf angenommen.
Der Rat hat beschlossen, diesen Entwurf öffentlich auszulegen
und die Vertreter öffentlicher Belange zu den Plänen zu
hören. Nach Ablauf der Auslegungsfrist wird der Rat über
erhobene
Einwände beraten, ihnen gegebenenfalls abhelfen und dann den
Bebauungsplan beschliessen oder ablehnen. Wird er beschlossen, tritt
er
mit der Veröffentlichung in Kraft.
von Walter Dressel