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Bisam

Den Schimpfnamen Ratte hat der Bisam nicht verdient, in diese
Verwandtschaft gehört er nicht. In seiner Heimat, Nordamerika, weiss
man das. Da der Name Ratte ausserdem den Appetit auf das Fleisch
verderben würde, "das mit dem feinsten Geflügelfleisch verglichen
werden kann", wird er in den Staaten als "Moorkaninchen" gehandelt.
Fürst Colloredo-Mannsfeld ahnte wohl nicht, was er anrichtete, als
er 1905 drei Bisampärchen aus Alaska mit nach Europa brachte und sie
in Teichen auf einem seiner Güter in der Nähe von Prag aussetzte.
Die Pflanzenfresser, die drei- bis viermal im Jahr etwa 8 Junge
werfen, breiteten sich über ganz Europa aus und richten durch das
Unterwühlen von Dämmen und Deichen grosse Schäden an. Die Erträge
aus der Pelzverwertung konnten diese Schäden bei weitem nicht
ausgleichen, und seit etwa 1930 wird der Bisam in ganz Europa als
Schädling bekämpft.
Diese europäische Entwicklung aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts
wiederholte sich in den letzten beiden Jahrzehnten des Jahrtausends
auch auf Wangerooge. "Das war 1976 oder 1977, da sah ich zwei Bisams
auf der Buhne sitzen und sich putzen.", sagt Friedrich Wilhelm
Petrus. Das waren wohl die ersten auf Wangerooge. Wahrscheinlich
wurden sie mit den Gras- und Schilfplacken am Strand der Insel
angespült, die man nach dem Schlöten eines Sieltiefs am Festland
durch die Schleuse ins Meer spülte. Möglicherweise aus den gleichen
Gründen, aus denen Colloredeo-Mannsfeld die possierlichen Tierchen
nach Europa einschleppte, brachte es Petrus nicht über sich, diese
ersten zwei Bisams auf der Insel zu fangen und zu töten. Und wie die
ersten Bisams in Europa den Kontinent eroberten, so eroberten die
ersten auf Wangerooge die Insel. Kein Bombentrichter, kein
Wassergraben, der heure nicht ihre Spuren zeigt, keine Uferböschung,
die nicht von ihnen unterhöhlt wäre. Dafür, dass sie nicht völlig
überhand nehmen, sorgt Egon Kuhn, der vom Landkeis bestellte
Bisamfänger, mit seinen Fallen. Für ein "Schwanzgeld", eine
Fangprämie also, und den Erlös für die Felle hält er den
Bisam-Bestand auf der Insel kurz.

von Walter Dressel

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