Das
Blauhaus - ein Ort für Kreativität
"Blau ist für mich Weite und Bewegung, der Himmel und das Meer, Freiheit
und Inspiration." Sagt Renate Raschen, Spiel- und Theaterpädagogin,
die im vorigen Jahr mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann, dem evangelischen
Pfarrer der Inselgemeinde, nach Wangerooge zog. So waren es vielleicht
die besonderen Blautöne, die der Himmel über der Insel haben kann,
das Blau der Nordsee, die sie auf die Insel lockten. Jedenfalls nennt
sie den Ort ihrer Arbeit "Blauhaus" und ist begeistert von der Lage
des Pavillons hinter dem Schwimmbad, der ihr den freien Blick über
Dünen auf den Himmel lässt. Dort macht sie als frei Mitarbeiterin
der Kurverwaltung ihr Angebot.
Es ist gar nicht leicht zu sagen, was Raschen da anbietet. Ihre Gäste
bewegen sich im Raum, sie gestalten Körper, bemalen Flächen, aber
es gibt keine Vorgaben darüber, was entstehen soll. Wichtig ist ihr,
dass Teilnehmer in den Kursen ihre Kreativität entfalten und "dabei
die Schere aus ihrem Kopf verbannen", die alles wegschneidet, was
vom Gewohnten abweicht. In ihren Kursen ist nicht der gefertigte Gegenstand
das Ziel, sondern das Gestalten und die Überraschung über das, was
am Ende entsteht. Möglicherweise geschieht da etwas, wofür das Wort
zutrifft: "Der Weg ist das Ziel." Denn nicht vom Ergebnis, sondern
vom Tun verspricht sich Raschen die Entspannung und all das, was für
sie "Blau" bedeutet.
Weil der Pavillon, in dem Sie ihre Sommerkurse abhält, nicht heizbar
ist, suchte Raschen eine Winterunterkunft, um mit den beiden Kindergruppen
und einer Gruppe von Erwachsenen weiterarbeiten zu können. So entstand
das Blauhaus für die Wintermonate in der Corvette, einem Raum im Kurhaus,
wo ihr Familie Wegener Gastfeundschaft gewährt.
Obwohl es Raschen ablehnt, das Blauhaus einen virtuellen Raum zu nennen,
der vor allem im Kopf existiert: offensichtlich ist es doch nicht
ganz eng an einen bestimmten Platz gebunden, man kann ihn im Kopf
auch woandershin mitnehmen, wenn dort nur das Flair von "Blau" herrscht.
von Walter Dressel