Rodung am Weg zum Osten
Es war alles nur gut gemeint. Im Ergebnis ist ein Idyll auf der Insel
zerstört. Der Weg vom Wangerooger Flughafen zum Osten der Insel war
ein Spazierweg, gerahmt von Bäumen und Sträuchern, erfüllt vom Duft
der Rosen und des Geissblattes und dem Gezwitscher der Vögel, die
im dichten Gehölz Nistplätze und Nahrung fanden. Ein Stück naturbelassenen
Gehölzes und zugleich eine Oase für alle, die Ruhe suchten vom Trubel
des Strandlebens und und der Gechäftigkeit im Inseldorf. Bänke an
der Nordseite des Weges luden die Spaziergänger zur Rast.
Dann sollte es noch besser werden. Deshalb wurden zwei Bänke an der
Südseite des Weges aufgestellt. Die allerdings blockierten nun den
Reitweg, auf dem Reiter den Osten der Insel und den Strand erreichen
konnten. Um dieses Übel zu beheben, entfernte man auf der gesamten
Länge des Weges in etwa vier Meter Breite alles, was da wuchs: Rosen,
Geissblatt, Sanddorn und, einige wollen es gezählt haben, über hundert
gesunde, etwa dreissigjährige Bäume. Aus dem schattigen, idyllischen
Weg ist eine breite Schneise geworden.
Einen Reitweg hat man allerdings immer noch nicht wieder. Denn zum
einen ist das Gelände feucht und der Boden weich, zum anderen ist
dieses Gelände, das ja nie betreten wurde, noch nicht nach Blindgängern
und Munition aus dem letzten Krieg abgesucht. Deshalb wollen die Reiter
da nicht reiten. Wie recht sie haben, zeigte eine erste Untersuchung
des Munitions-Räumdienstes. "Das hörte gar nicht wieder auf zu Piepen.",
beschreibt Bürgermeister Holger Kohls das Ergebnis dieser Suche.
Soviel Missgeschick halten viele kaum für möglich und vermuten deshalb,
mit der Rodung solle die Zufahrt zu geplanten Hotelbauten im Osten
der Insel geschaffen werden. Das allerdings "ist blanker Unsinn" sagt
Kohls. Dort solle keinesfalls ein Hotel gebaut werden. Geplant sei
lediglich, in den Dünen nördlich des Weges eine Toilettenanlage, Fahrradständer
und Umkleiden für die Besucher zu bauen, die in den Dünentälern sonnenbaden
wollen, sobald die Nationalparkverwaltung diese Flächen freigebe.
Wenn dann auch dieses Idyll im Osten zerstört, ein weiteres Stück
Natur unwiederbringlich zerstört ist, war es sicher wieder gut gemeint.
nzahn
von Walter Dressel