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Umgang mit kranken Vögeln


Wildvögel, die mit den unangenehmen Seiten der Zivilisation in Berührung kommen, haben Glück, wenn sie zum jagdbaren Wild gehören. Sind sie durch Öl, Angelhaken, Drachenschnüre so erkrankt, dass ihnen nicht mehr zu helfen ist, sind sie, um sie "vor vermeidbaren Leiden oder Schmerzen zu bewahren" unverzüglich zu erlegen. So verlangt es das Bundesjagdgesetz .

Werden hingegen hilflose, oft verölte, Alken, Lummen oder andere nicht "jagdbare" Vögel am Wangerooger Strand angespült, bleibt ihnen diese Hilfe versagt. Denn, so verlangen es Naturschutz- und Nationalparkbestimmungen, hilflose Tiere dürfen nur aufgenommen werden, um sie unmittelbar einer Pflegestation zuzuführen. Dort können sie gesund -gepflegt oder, wenn das aussichtslos ist, getötet werden. Das aber nur, wenn dort jemand ist, der die Befähigung und Berechtigung zum Töten solcher Tiere hat. Da es auf Wangerooge niemanden gibt, der diese Voraussetzungen erfüllt, werden hilflose Vögel, die zum Nationalparkhaus oder zu den Vogelwarten in den Stationen des Mellumrates gebracht werden, in einem Dünental wieder ausgesetzt, um dort "in Ruhe zu sterben". Nur wenige Tiere, bei denen eine Pflege Erfolg verspricht, gelangen zur Pflegestatation, die in Norden betrieben wird.

Auch von ihnen überleben viele nicht. Dr. Thomas Clement vom Mellumrat schätzt, dass maximal 1% der aufgenommenen Vögel wirklich gesundgepflegt werden können. Auch er würde es deshalb begrüssen, wenn auf Wangerooge die Möglichkeit bestünde, sterbenden Tieren unnötiges Leiden zu ersparen. Allerdings sei es nicht zu akzeptieren, dass dies an geltenden Vorschriften vorbei geschehe; und eine Person, die die erforderliche Befähigung und Berechtigung habe, gebe es nicht.

Befähigt wäre Friedrich-Wilhelm Petrus, der früher eine Pflegestation für See- und Watvögel auf der Insel unterhielt. Er sei auch in der Lage, überlebensfähige Vögel zu erkennen und zur Pflegstation ans Festland zu schicken, meint Petrus. Die Berechtigung zum Töten sterbender Tiere sei jedoch erloschen, als er seine Pflegestation aus finanziellen Gründen habe aufgeben müssen. Da nach seiner Meinung die ausgesetzten Vögel keineswegs "in Frieden sterben", sondern elend krepieren und sich dabei auch noch streunender Hunde und Katzen erwehren müssten und hungrigen Krähen und Möwen ausgeliefert seien, sei er aber "bereit, bei der Lösung des Problems zu helfen."
ntenzahn

von Walter Dressel

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