Bebauungsplan -
Ponyreiten
"Die Grenze ist erreicht; die Schwierigkeiten wachsen , weil man uns
nur Knüppel zwischen die Beine wirft.", sagt Irmelin Janssen vom Wangerooger
Ponyhof. Auch für ihren Mann Rainer "ist das Mass jetzt voll". Was
die Familie Janssen beklagt, sind zum einen Erschwernisse des Reitbetriebes.
So würden die Reitwege nicht instand gehalten, der ausgewiesene Reitweg
zum Osten sei durch das Aufstellen von Bänken verbaut worden und der
Weg zum Westanleger durch Stacheldrahtzäune so eingeengt, dass er
nicht mehr beritten werden könne. Ein Kutschwagen im Wert von 28.000
Mark müsse in Wind und Wetter verkommen, weil der Bau einer Remise
abgelehnt worden sei, weil sie "den beabsichtigten künftigen Festsetzungen
des Bebauungsplanes" entgegenstehe. Dieser Bebauungsplan sehe ausserdem
eine Herabsetzung der Grundflächennutzung vor, so dass das Grundstück
entwertet werde. Als der Bürgermeister dann auch noch mitteilte, dass
der Verbindungsweg zwischen Rösingstrasse und Siedlerstrasse, der
zum Teil auf dem Grundstück der Janssens liegt, ausgebaut werden solle,
war "das Mass voll". Janssens sperrten den "Privatweg" und beschlossen,
den Reitbetrieb aufzugeben. Ein Teil der Ponys wurde bereits verkauft
und der Betrieb wird "in dieser Form nicht mehr weitergeführt."
Deren Bier könnte man sagen. Aber auf Wangerooge ist der Reitbetrieb
ein wichtiger Faktor für den Fremdenverkehr und "eine Insel ohne Pferde
einfach nicht vorstellbar."
Das sieht Bürgermeister Holger Kohls genauso. Auch er setze sich für
den Reitbetrieb ein, was auch seine Forderungen an die Nationalparkverwaltung
zum Erhalt der Reitwege beweisen. Was die Bebauungsplanung angeht,
weist er alle Vorwürfe zurück. Auf Beschluss des Rates sei ein Planungsauftrag
vergeben worden. Als Ergebnis lägen jetzt mehrere Vorschläge vor,
über die der Rat diskutieren werde. Von einer Herabstufung der Bebauungswerte
könne keine Rede sein, da für das Gebiet kein gültiger Bebauungsplan
vorliege.
Der Weg, den Janssens gesperrt haben, sei seit 1969 in den Wegeplan
der Gemeinde aufgenommen und damit als öffentlicher Weg gewidmet.
Er habe Janssens aufgefordert, die Sperrung zu beseitigen. Dieser
Aufforderung wollen die Janssens nun auch nachkommen.
Alles in allem wird es keine leichte Aufgabe für den Rat werden, den
Bebauungsplan zu beschliessen. Viele Wünsche werden an ihn herangetragen
und doch muss er einer Gesamtkonzeption gerecht werden, die nicht
alle Wünsche erfüllen kann. Es wäre interessant, die Argumente zu
hören, die zu einer Entscheidung führen. Dazu wäre es allerdings nötig,
dass der Rat die Probleme öffentlich diskutiert und nicht, wie in
letzter Zeit so oft, die Diskussion in nichtöffentlicher Sitzung führt
und in öffentlicher nur das Ergebnis verkündet.
von Walter Dressel