Inselcard
Die Inselcard - Topp oder Flopp?
Alle sieben Ostfriesischen Inseln haben Probleme mit der Kurtaxe,
die sie dringend benötigen, die die Gäste aber nur ungern zahlen.
Um alle Besucher zur "Kurtaxehrlichkeit" zu bewegen, wollen die Inseln
Chipkarten einführen, die Fahrkarten und Kurtaxbeleg zugleich sind.
Ausserdem ermöglichen die Karten vielerlei Service-Leistungen und
lassen sich in ein gesamtes Marketingkonzept einbauen. Erarbeitet
hat das Konzept die Beraterfirma Krups-Consultants, die den Einsatz
der Karten auch nach der Einführung betreuen wird. Vorreiter ist das
Staatsbad Norderney, dort werden bereits Erfahrungen mit der Norderney-Card
gesammelt.
Die "Ostfriesischen Hotel-und Gaststätten-Nachrichten"
haben jetzt den Stand der Dinge auf sechs der Inseln recherchiert.
Danach werde Langeoog die Card noch vor Weihnachten einführen. Man
hoffe hier auf eine Steigerung der Kurtaxeinnahmen um 30 bis 40 Prozent.
Auf Norderney sei das Kurtaxaufkommen zwar um 1,3 Millionen DM gestiegen,
die jährlichen Belastungen des Bades für die Card betrügen jedoch
1,8 Millionen DM. Deshalb sei man auf Borkum der Auffassung, dass
das von der Betreuerfirma Krups-Consultants vorgelegte Konzept zu
teuer sei, und suche nun nach einem eigenen, günstigeren Weg. Auf
Juist, das die Card in Kooperation mit Wangerooge einführen wollte,
laufe derzeit ein Bürgerbegehren, um die Einführung einer Chipcard
für die Insel zu stoppen. Die Baltrumer und Spiekerooger würden auf
die Einführung des Systems verzichten, da es sich auf ihren Insel
nicht lohnen werde.
Der Bürgermeister der siebenten, im Bericht nicht erwähnten
Insel Wangerooge, Holger Kohls, hält die Angaben in dem Artikel für
"Unwahrheiten, zumindest Ungereimtheiten" und einige Angaben aus dem
Zusammenhang gerissen. Sicher sei, dass alle Inseln Schwierigkeiten
haben, die Kurtaxe von allen Gästen zu erheben, und dass alle etwas
gegen diesen Verlust tun wollen. Natürlich sei die Situation auf den
einzelnen Inseln verschieden, aber Wangerooge plane die Einführung
der Wangerooge-Card für Juni 2000 in enger Kooperation mit Juist,
und er gehe nach wie vor davon aus, dass Juist, wie geplant, die "Töwer-Card"
im April 2000 einführe. Die Zusammenarbeit beider Inseln solle - etwa
bei der Beschaffung der Soft- und Hardware - Kosten sparen. Natürlich
würden nach der Einführung Folgekosten, auch durch Zahlungen an die
Verkehrsträger für deren Mitarbeit, entstehen. Kohls geht jedoch davon
aus, dass die Kalkulationen der Beraterfirma zutreffen und sich die
Einführung der Wangerooge-Card in wenigen Jahren bezahlt macht.
von Walter Dressel