Bauausschuss
Ein letztes kleines Haus an der Strasse zum Wattenmeer und das Inseldorf
ist zu Ende. Links das Watt, rechts einige Sandhügel, kleine Dünen
mit tiefen Tälern. Bewachsen mit Meerrettich und Brennesseln, Dünenrosen
und Strandhafer, dazwischen blüht Heide. "Geologisch einer der ältesten
Teile der Wangerooger Osterdünen" ist dieses Gelände für den Inselchronisten
Hans-Jürgen Jürgens. "Unland" heisst es in der Sprache der Architekten,
die auf Wangerooge die Dorferneuerung planen; denn es ist nicht Bauland,
nicht landwirtschaftlich genutzt, kein Sport- und Freizeitareal, nicht
einmal Nationalpark. Es ist einfach nur ein Stück grüne Inselnatur,
Unland eben. Dem wird der Wangerooger Gemeinderat jetzt ein Ende machen.
Auf seiner letzten Sitzung beschloss der Wangerooger Bauausschuss,
der Gemeinderat solle den Flächennutzungsplan der Insel ändern und
einen Bebauungsplan aufstellen, der das Dünengebiet als Gewerbegelände
ausweist.
Vor dem Ausschuss und über 20 Zuhörern stellte Herr Weidring, der
Beauftragte des Planungsbüros Thalen, einen Planungsentwurf für das
Areal vor. Danach soll das 1,2 Hektar grosse Gebiet in drei Grundstücke
aufgeteilt und mit Lagerschuppen bebaut werden. Mit dieser Nutzung
des Geländes "entspricht die Gemeinde auch den Vorschlägen für die
Dorferneuerung", die ja nicht nur der Verschönerung, sondern auch
der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel diene, sagte Weidring.
In der Einwohnerfragestunde legte Dieter Gebhards (CDU), der den Ausschussvorsitz
wegen Befangenheit an Jürgen Wiebach (CDU) abgetreten hatte, dar,
wie unabdingbar notwendig für seinen Betrieb die Schaffung eines Gewerbegebietes
sei.
Dann stellte Weidring einen ersten Planungsentwurf für die Entwicklung
des Gebietes zwischen Rösing- und Siedlerstrasse vor. Hier muss der
Bebauungsplan 18 geändert werden, weil die Bundesbahn Teile ihres
Betriebsgeländes veräussern will. Die Immobilienverwaltung der Bundesbahn
möchte die Grundstücke aufwerten, indem sie das Gelände für ein Einkaufszentrum
anbietet. Die Planungshoheit liegt jedoch bei der Gemeinde. Deshalb
soll auf Vorschlag von Bürgermeister Holger Kohls eine Meinungsbildung
im Gemeinderat erfolgen, ehe Gespräche mit der DB-Immobilienverwaltung
geführt werden.
von Walter Dressel