Verkehrsampel für Wangerooge
Die autofreie
Insel Wangerooge bekommt eine Ampel. Allerdings nicht als Verkehrszeichen
nach §37 StVO, sondern als Lernmittel für den Verkehrsunterricht,
ganz ohne Paragraphen. Auf der weitgehend KfZ-freien Insel läuft der
Verkehr fast unfallfrei und sehr kommunikativ durch Blickkontakt und
gelegentlichen Zuruf. Dabei nimmt in der Regel der Stärkere auf den
Schwächeren Rücksicht: Radfahrer auf Fussgänger, E-Karren auf Fussgänger
und Radfahrer. Auch Verkehrsschilder werden eher als Anregungen denn
als Gebote und Verbote verstanden. Nur das Andreaskreuz am Bahnübergang
wird stets beachtet, wenn Züge rangieren. Paradiesische Zustände also,
fast wie in der guten alten Zeit.
Auch
die Kurgäste wissen das zu schätzen. Einen Haken hat die Geschichte
aber: Kinder, die auf Wangerooge aufwachsen, sind nicht an den Verkehr
gewöhnt und deshalb am Festland besonders unfallgefährdet.
So führt auch Heiner Hilbinger den Unfall seines Sohnes Tobias bei
einem Besuch an Land auf die mangelnde Einübung von Verkehrsregeln
und -zeichen zurück. Deshalb entschloss sich der gelernte Polizeibeamte,
Möglichkeiten zu schaffen, um den Verkehrsunterricht an den Wangerooger
Schulen und auch schon im Kindergarten lebensnah gestalten zu können.
Mit Hilfe des Jeverschen Polizisten Helmut Hilger und Werner Luers
vom Strassenbauamt Jever gelang es ihm, eine funktionsfähige Ampel
zu bekommen, um sie der Wangerooger Grundschule und dem Kindergarten
der Insel zu schenken.
Die so grosszügig Bedachten wurden von der Gabe überrascht. Grundschulrektor
Hartmut Renken und der Leiter des Kindergartens, Ben Vincent, überlegen
jetzt, wie und wo sie die Ampel sinnvoll in der Verkehrserziehung
einsetzen können. Renken würde sie am liebsten mobil einsetzen. Dann
könnte er sie zusammen mit anderen Verkehrszeichen benutzen, um Fahrrad-
und Fussgängerparcours auf der Insel einzurichten. Hier könnten die
Kinder dann mehrmals jährlich in echten Verkehrssituationen das richtige
Verhalten auf der Strasse einüben. Ausserdem werde er versuchen, auf
dem Schulhof Strassensituationen nachzubilden.
Bürgermeister Holger Kohls freut sich über die neuen Möglichkeiten
für den Verkehrsunterricht. Ausserdem sucht er schon länger nach Möglichkeiten,
auf der Insel einen Verkehrsübungsplatz zu schaffen. Liesse sich diese
Idee verwirklichen, "käme eine Ampel wie gerufen."
von Walter Dressel