Steinmeier auf Wangerooge
Der neue Leiter des Kanzleramtes, Steinmeier, macht mit seiner Familie,
Frau Elke und der dreijährigen Tochter Merit, Urlaub auf Wangerooge.
Hier könne man sich wohlfühlen, meint Steinmeier, er geniesse vor
allem die Ruhe und die saubere Luft. Überhaupt sei er rundum zufrieden,
mit seiner Unterkunft, einer Ferienwohnung in der "Villa", der Dependance
des Parkhotels, mit der Küche des Hauses und vor allem mit dem Wetter.
Steinmeier leitet das Kanzleramt auf eigenen Wunsch als Staatssekretär
und nicht als Minister. Er sieht sich in seinem Amt als Mann im Hintergrund,
der für reibungslose Abläufe sorgt und nicht selbst in die Öffentlichkeit
tritt. Er orientiere sich in seiner Arbeit an einem seiner Vorgänger,
Schüler, dem Leiter im Kanzleramt von Helmut Schmidt, der sein Amt
ebenfalls als Staatssekretär führte.
Im Gespräch äusserte sich Steinmeier auch zu zwei Personal-Entscheidungen
von Gerhard Schröder: Otto Graf Lambsdorff wurde Beauftragter der
Bundesrepublik bei den Verhandlungen über die Entschädigung von Zwangsarbeitern,
weil er sowohl Rückhalt bei der deutschen Wirtschaft hat als auch
die Gesprächspartner in den USA kennt. Ausserdem sei seine Einstellung
zum Dritten Reich und der Notwendigkeit einer Wiedergutmachung "über
jeden Zweifel erhaben."
Der Aufgabe, mit der der Bundeskanzler Leisler-Kiep betraut habe,
sei zum Teil missverständlich dargestellt worden. Es handle sich keineswegs
um einen "Spezialaufrtrag im oder gar gegen das Aussenministerium".
Schröder habe Leisler-Kiep gebeten, mit einigen ihm bekannten Gewährsleuten
in der Türkei eine Reihe von Fragen zu klären. Zur Erfüllung dieser
Aufgabe seien eine oder auch mehrere Reisen Kieps in die Türkei erforderlich.
von Walter Dressel