Und noch eine wahre Geschichte
PETERSILIE UND SEEKRANKHEIT
In den Semesterferien, während des Studiums zum Kapitän, fuhr ich auf
einem Butterschiff als Matrose von Emden aus. Wir mußten, um die große
Ration Butter, Zigaretten und Schnaps zollfrei zu fahren, nach draußen
auf See.
In der Kombüse der Restauration waren Frauen beschäftigt. Unter ihnen
auch eine etwas ältere Dame, die für das Kartoffel schälen zuständig
war. Kaum waren wieder etwas frei von Land, wurde sie jeden Tag aufs
Neue seekrank.
Am Telefon erzählte ich meiner Mutter davon, da ich auch zu Beginn meiner
Seefahrtszeit sehr unter Seekrankheit gelitten hatte. Meine Mutter hatte
gerade in einer sogenannten "Frauenzeitschrift" gelesen, daß die italienischen
Mütter ihren Söhnen ein frisches Bund Petersilie um den Hals hängen,
wenn sie zur Marine müssen! Dies erzählte ich der älteren Dame, mit
der dringenden Bitte, es doch auch einmal zu versuchen.
Tags darauf trafen wir uns erst, nachdem wir in Emden zum Feierabend
festgemacht hatten. Ich war doch sehr gespannt darauf, ob die Petersilie
wohl gegen die Seekrankheit gewirkt hatte. Auf meine Frage schaute sie
mich nur sehr diesig an, riß sich das Bund Petersilie vom Hals und schlug
es mir kommentarlos um die Ohren.....
Von Hermann Goldschweer
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